Berlin/Dresden

Hatte der Terrorverdächtige von Chemnitz einen Komplizen?

Justizminister Maas gegen Bundesgefängnis für Islamisten

Berlin/Dresden. Womöglich war der terrorverdächtige Syrer Dschaber al-Bakr kein Einzeltäter. Nach einem Bericht des "Stern" gebe es Hinweise auf einen zweiten Mann. Zudem habe der mutmaßliche Bombenbauer von Chemnitz finanzielle Hilfe erhalten. So soll der wegen des Verdachts der Mittäterschaft inhaftierte Chalil A. im September 2250 Euro an al-Bakr ausgezahlt haben. Auftraggeber sei ein Syrer gewesen, der in Flüchtlingsheimen bei Düsseldorf Boten für ein Geldtransfernetzwerk anwirbt. Ob A. von den islamistisch motivierten Anschlagsplänen al-Bakrs auf Berliner Flughäfen wusste, ist unklar.

Laut "Stern" geben die Aussagen von Chalil A. Hinweise in Richtung eines zweiten Täters. A. sei kurz vor seiner Festnahme angewiesen worden, 2700 Euro an einen weiteren Landsmann in Chemnitz zu übergeben. Al-Bakr hätte ihn außerdem gefragt, ob er eine Wohnung kenne, in der er einen bald eintreffenden Freund unterbringen könnte.

Bei der Aufarbeitung des Falls werfen derweil SPD-Politiker den sächsischen Behörden schwere Versäumnisse vor. "Es hat Fehler und Pannen gegeben, die mich nach wie vor fassungslos machen", sagte der innenpolitische Sprecher der SPD-Bundestagsfraktion, Burkhard Lischka, nach einer Sitzung des Innenausschusses in Berlin. Er hob die fehlgeschlagene Festnahme in Chemnitz hervor. Der Obmann der Union, Armin Schuster, verwies hingegen auf die schwierigen Bedingungen des Einsatzes. "Es hat einen kapitalen Anschlagsversuch nicht gegeben, weil insbesondere Verfassungsschutz und die Polizei das verhindern konnten", sagte er.

Als Konsequenz aus dem Suizid al-Bakrs am vergangenen Mittwoch in seiner Zelle war die Forderung nach einer zentralen Unterbringung von Terrorverdächtigen laut geworden. Bundesjustizminister Heiko Maas (SPD) lehnt dies ab. Dafür seien die Länder zuständig. Zudem könne sich die Unterbringung mehrerer Terrorverdächtiger an einem Ort mit Blick auf die Unterbindung von Kommunikation negativ auswirken. Dies zeigten Beispiele aus der RAF-Zeit, sagte er der "Süddeutschen Zeitung".

In einer Umfrage ermittelte das Forsa-Institut für den "Stern", dass 34 Prozent der Bundesbürger – und 65 Prozent der AfD-Anhänger – eine Präventivhaft für islamistische Gefährder befürworten. Die Mehrheit, 56 Prozent, ist jedoch dagegen, Personen vorbeugend in Haft zu nehmen, wenn sie noch nicht mit Straftaten in Verbindung stehen.

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