Anschlags-Verdacht

Terrorverdächtiger war lange in der Türkei – auch in Syrien?

Der Verdächtige, der offenbar einen Anschlag plante, war laut einem Bericht zuvor in der Türkei. Er soll Kontakte zum IS gehabt haben.

In diesem Wohnhaus in Leipzig hielten Syrer ihren des Terrorismus verdächtigen Landsmann fest, bis die Polizei in abholte.

In diesem Wohnhaus in Leipzig hielten Syrer ihren des Terrorismus verdächtigen Landsmann fest, bis die Polizei in abholte.

Foto: Carsten Koall / Getty Images

Berlin.  Der in Leipzig gefasste syrische Terrorverdächtige Dschaber al-Bakr hat sich einem Medienbericht zufolge in diesem Jahr monatelang in der Türkei aufgehalten. Der 22-jährige mutmaßliche Bombenbauer habe Deutschland wohl bereits im Frühjahr verlassen und sei in die Türkei gereist, berichtete die „Welt“ am Dienstag unter Berufung auf Ermittlerkreise.

Erst Ende August soll der mutmaßliche Extremist, der den Ermittlungen zufolge IS-Kontakte hatte, wieder nach Deutschland zurückgereist sein. Anschließend habe der Syrer nach einer Wohnung in Sachsen gesucht. Dem Bericht zufolge soll er dabei andere Asylbewerber um Hilfe gebeten haben, die allerdings misstrauisch wurden. Al-Bakr habe über auffällig viel Bargeld in US-Dollar verfügt und betont, er wolle eine Wohnung für sich alleine.

Polizei sieht Verbindung des Chemnitzer Terrorverdächtigen zum IS

War Al-Bakr auch in Syrien?

Weiter berichtete die Zeitung, die Ermittler gingen derzeit der Frage nach, was Al-Bakr während seines Türkei-Aufenthalts genau machte. Unklar sei beispielsweise, ob der nicht vielleicht auch nach Syrien reiste und sich dort in einem terroristischen Ausbildungslager schulen ließ.

Nach einem missglückten Zugriff der Polizei am Samstag in Chemnitz war Al-Bakr am Montag in Leipzig festgenommen worden. In der Chemnitzer Wohnung, in der er sich aufgehalten haben soll, fanden die Ermittler 1,5 Kilogramm hochgefährlichen Sprengstoff. Dem Verfassungsschutz zufolge sollte er offenbar im Auftrag der Terrormiliz Islamischer Staat (IS) die Verkehrsinfrastruktur in Deutschland angreifen.

Nachbarn: Mutmaßlicher Terrorist war vor Festnahme in Eilenburg

Der Terrorverdächtige Dschaber Al-Bakr aus Syrien wollte vor seiner Festnahme in seine Wohnung in Eilenburg bei Leipzig gelangen. „Er war da, mehr will ich dazu nicht sagen“, sagte ein Hausbewohner am Dienstag.

Wie die „Leipziger Volkszeitung“ berichtete, kam der 22-Jährige laut einer Bewohnerin am Samstagabend nicht in seine Wohnung, weil das Türschloss ausgetauscht worden war. Er müsste einen Begleiter gehabt haben, da sie leises Getuschel im Treppenhaus wahrgenommen hätten, so die Frau, die mit ihrem Lebensgefährten in dem Haus lebt.

Al-Bakr hatte sich am Samstag in Chemnitz in der Wohnung einer Bekannten dem Zugriff der Polizei entzogen und war dann montags in Leipzig festgenommen worden.

Aufatmen bei Anwohnern nach Festnahme des terrorverdächtigen Syrers in Leipzig

Mutmaßlicher Terrorist soll Anschlag vorbereitet haben

Eine weitere Nachbarin berichtete der Zeitung, dass der eher ruhige Hausbewohner vor etwa einem Jahr mit Rucksack und zwei Taschen bepackt ausgezogen war. Laut Innenministerium in Dresden hatte der Syrer seit März 2015 in Eilenburg gelebt, war laut Landratsamt in Delitzsch seit dem 5. Juni 2015 offiziell in Eilenburg gemeldet. Wann er die Kleinstadt tatsächlich verlassen habe, sei nicht bekannt, so ein Sprecher.

Syrer hatten den Gesuchten am Montag in ihrer Leipziger Wohnung überwältigt, gefesselt und der Polizei übergeben. Er soll nach Erkenntnissen des Verfassungsschutzes im Auftrag der Terrormiliz IS einen Anschlag vorbereitet haben. (dpa)