US-Präsidentschaftswahl

Hillary Clinton gewinnt gegen einen wütenden Donald Trump

| Lesedauer: 5 Minuten
Dirk Hautkapp
Hillary Clinton reagierte im TV-Duell kontrolliert auf die wutschnaubenden Attacken von Donald Trump.

Hillary Clinton reagierte im TV-Duell kontrolliert auf die wutschnaubenden Attacken von Donald Trump.

Foto: RICK WILKING / REUTERS

Der Ton im zweiten TV-Duell war bissig. Trump war wegen der Affäre um sexistische Äußerungen in der Defensive, Clinton holte aus.

St. Louis.  Auch wenn die nach Show-Kriterien vergebenen Haltungs-Noten ihn diesmal als schlagkräftiger und aggressiver ausweisen werden: Es kam wie erwartet. Donald Trump konnte nicht gewinnen. Er verlor gegen Hillary Clinton. Und wie.

In der zweiten Fernseh-Debatte im amerikanischen Präsidentschafts-Wahlkampf ist der nach einem obszön frauenverachtenden Video auch in der eigenen Partei endgültig zur Unperson erklärte Bau-Unternehmer am Tiefpunkt seiner Kandidatur angekommen.

Er bezichtigte seine Mitbewerberin offen der Lüge. Er sagt ihr sogar nach, Hass in ihrem Herzen zu haben. Er drohte ihr einen Sonderermittler auf den Hals zu schicken, um die de facto ausgestandene E-Mail-Affäre während ihrer Zeit als Außenministerin erneut zu durchleuchten. Und er kündigte an, sie ins Gefängnis stecken zu lassen, wenn er die Wahl gewinnt. Schäbigkeiten, die jeden Rahmen sprengen. Donald Trump straft die Verfassung mit Missachtung. Er ist eine Beleidigung für Amerika.

Trump agierte wie ein angeschossenes Tier

Hillary Clinton, die schleichend favorisierte demokratische Anwärterin auf das höchste Staatsamt, musste in St. Louis entschieden mehr machen als in Runde eins. Und sie tat sich dabei nicht leicht. Ihr Verzicht, Trumps pauschale Unverschämtheiten ebenso schrill zu kontern, ließ sie manchmal zu zögerlich und steif erscheinen.

Trump, der manchmal wie ein angeschossenes Tier agierte, setzt sie immer wieder erfolgreich unter Druck. Aber er richtete sich am Ende mit Ignoranz und Dreistigkeit wieder selbst. Kein einziges Thema – von Steuern über Energie und Syrien bis zur Einwanderungsfrage – zeigte ihn sattelfest. Dafür log und übertrieb er fast am laufenden Band.

Erklärungsversuche für bösartiges Frauenbild

Seine Erklärungs- und Entschuldigungsversuche über sein bösartiges Frauenbild („Greif ihr zwischen die Beine. Du kannst alles machen, wenn du ein Star bist“) gerieten erwartungsgemäß hilflos und peinlich. Er blieb dabei: Männer redeten nun mal so in den Umkleidekabinen. Tun Männer nicht. Einmal borniert, immer borniert.

Wie charakterlich schwach der 70-Jährige ist, zeigte sich bereits vor der ersten Fragerunde. Trump gab eine Pseudo-Presse-Konferenz; eine Art Warnhinweis auf die danach folgende Schlammschlacht, die aus Trumps Sicht ein Ziel verfolgte: Seine sexuellen Eskapaden und Fehltritte als dreifacher Ehemann mit denen aufzuwiegen oder wenigstens gleichzusetzen, die mit dem Namen Bill Clinton verbunden sind. Und damit, nach Trumps Lesart, zwangsläufig auch mit seiner Rivalin für den Posten im Weißen Haus.

Trump war Gegenteil von präsidiabel

In seiner Begleitung führte Trump vier Frauen vor. Drei davon werfen Bill Clinton sexuelle Übergriffe vor. Alle Fälle sind lange bekannt und liegen teilweise fast 30 Jahre zurück. Damals war Bill Clinton noch Generalstaatsanwalt von Arkansas. Es gab nie einen Prozess. Die gegen ihn erhobenen Vorwürfe verliefen im Sande. Dass Trump diese alten Kamellen wieder hervorkramt und seine Missetaten dahinter verstecken will, ist niederträchtig. Er steht zur Wahl. Nicht der Polit-Rentner Bill Clinton.

Donald Trump hat die minimale Chance, die ihm geblieben war, um das Ruder vielleicht doch noch herumzureißen, vertan. Er war großspurig statt ehrlich reuig. Er war in den Fragen, die nicht unterleibsbezogen waren, wieder erschreckend uninformiert und ausschweifend statt kenntnisreich und präzise. Er war mit einem Wort beschrieben wieder das absolute Gegenteil von präsidiabel.

Clinton reagierte kontrolliert auf Trump

Clinton dagegen setzte in Stil und Inhalt fort, was sie beim ersten Schlagabtausch angefangen hatte: Information, kontrollierte Reaktion auf die wutschnaubenden Attacken ihres Gegners, vorsichtig emphatische Gesten Richtung Publikum. Kurzum: Eine Frau, der man die Staatsgeschäfte anvertrauen kann, ohne morgens aufzuwachen und tonnenweise zerschlagenes diplomatisches Porzellan einsammeln zu müssen.

Donald Trump verlor wie schon bei der Premiere den Auftritt vor Millionen Fernsehzuschauern gegen Clinton, wenn man Substanz und Politikfähigkeit nach vorne stellt und nicht Show-Allüren. In seiner früheren Reality-TV-Show hätte er spätestens jetzt den einzig richtigen Spruch verdient: Du bist gefeuert.

Amerikanische Wähler ist der Verlierer

Der eigentliche Verlierer des miserablen Polit-Zaubers war aber wieder der amerikanische Wähler. Die Fakten-Checker werden heute wieder Dutzende Falschdarstellungen herausfiltern, die meisten davon gehen wieder auf Trumps Konto, der tatsächlich in seiner eigenen Wirklichkeit lebt.

Mit keinem einzigen präzisen Vorschlag wurden (jedenfalls von Trump) die großen sozialen, wirtschaftlichen und finanziellen Fragen der Zukunft Amerikas auch nur angerissen. Stattdessen ging es über weite Strecken um Beleidigungen, alte Rechnungen, politische Sünden, Fehler aus der Vergangenheit und Allgemeinplätze. Furchtbar.

Was hängen bleibt, ist aber dies: Donald Trump greift Frauen in den Schritt. Weil er glaubt, dass er es kann.

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