Beirut

Syrische Armee rückt in Aleppo vor

Beobachter: Keine Luftangriffe auf Osten der Stadt. Kritik an UN-Vermittler

Beirut. In Aleppo rücken Bodentruppen der syrischen Armee weiter in den stark umkämpften Ostteil der Stadt vor. Wie ein Militärvertreter am Freitag sagte, nahmen die Soldaten mehrere wichtige Stellungen ein. Den Rebellen zufolge wurden sie jedoch wieder zurückgedrängt. Das Viertel sei weiter unter Kontrolle der Aufständischen.

Die Luftangriffe wurden am Freitag wie angekündigt weiter zurückgefahren. „Bis jetzt gibt es keine Angriffe“, sagte der Chef einer Zivilschutzorganisation. „Wir wissen aber nicht, was in einer Stunde passiert.“ Das Militär hatte staatlichen Medien zufolge angekündigt, aus humanitären Gründen die Angriffe auf Ost-Aleppo zu verringern. Seit zwei Wochen treibt die syrische Armee mit russischer Unterstützung eine Großoffensive in Aleppo voran.

Russland hat mit Syrien ein Militärabkommen über die unbefristete Stationierung von Kampfflugzeugen, Hubschraubern und Bodenpersonal auf dem Stützpunkt Hamaimim in der Provinz Latakia geschlossen.

Syriens Opposition hat Aussagen des UN-Syrien-Gesandten Staffan de Mistura zur Al-Qaida-nahen Miliz Fatah-al-Scham-Front als „gefährlich“ zurückgewiesen. De Mistura hatte unter anderem erklärt, in der nordsyrischen Stadt Aleppo hielten sich rund 900 bis 1000 Kämpfer der radikalen Gruppe auf. Damit habe der UN-Vermittler Syriens Regime und Russland eine Entschuldigung gegeben, ihre Luftangriffe auf Aleppo fortzusetzen, erklärte Ahmed Ramadan, Sprecher des in Istanbul ansässigen Oppositionsbündnisses Syrische Nationale Koalition, am Freitag.

Aleppo hatte zuletzt die heftigsten Angriffe der syrischen und russischen Luftwaffe seit Beginn des Bürgerkriegs im Jahr 2011 erlebt. Damaskus und Moskau rechtfertigen die Bombardierungen mit dem Kampf gegen Terroristen. De Mistura rief alle Parteien auf, die Tragödie zu beenden, indem den Kämpfern der Fatah-al-Scham-Front der Abzug ermöglicht werde. Er wäre bereit, sie persönlich zu begleiten.

Ein Sprecher der Fatah-al-Scham-Front warf De Mistura vor, seine Erklärung stehe im Einklang mit Äußerungen des syrischen Regimes, das Aleppo von Rebellen leeren wolle.