Politik

Studenten in Wohnungsnot

Der Senat hat viel zu zögerlich neue Wohnheime geplant

Wieder einmal ist Berlins Politik sehenden Auges in ein Problem gelaufen. Kurz vor Semesterstart suchen noch Tausende Studenten einen Platz zum Wohnen. Allein beim Studentenwerk stehen mehr als 3000 junge Leute auf der Warteliste für die insgesamt 9500 Wohnheimplätze. Der gerade bei kleinen, günstigen Wohnungen überaus enge Berliner Markt lässt auch viele Studierende im Regen stehen.

Im April 2013 hatte der damalige Regierende Bürgermeister Klaus Wowereit (SPD) das Versprechen abgegeben, in den „nächsten Jahren“ 5000 zusätzliche Wohnheimplätze zu schaffen. Man muss diese unbestimmte Zeitangabe sehr lang auslegen, wenn seine Nachfolger diese Zusage einhalten wollen. Noch immer gibt es keine belastbaren Planungen, wo und bis wann die 5000 Plätze entstehen sollen.

Die landeseigene Immobiliengesellschaft Berlinovo soll es richten, nachdem das Studentenwerk sich für solche Bauvorhaben als nicht geeignet erwiesen hatte. Mit Geld aus veräußerten Immobilien der früheren Bankgesellschaft sollen die Berlinovo-Leute jetzt die Aufgabe schultern. Aber der Einstieg verschob sich immer weiter, auch weil es dem Senat nicht gelang, die nötigen Grundstücke zur Verfügung zu stellen. Konkret geplant sind nun 2500 Einzelwohnungen und 300 Plätze in Wohngemeinschaften. Das erste Gebäude wurde im Juni begonnen.

Den Bedarf decken werden diese öffentlichen Projekte nicht. Berlin hat zwar die Zahl der Studienplätze hochgefahren, sich aber zu wenig Gedanken gemacht, wo die Studierenden wohnen sollen. So ziehen die Wohlhabenden in teure private Projekte oder gründen WGs in großen teuren Wohnungen. Die weniger Begüterten balgen sich mit anderen ärmeren Leuten um die wenigen Bleiben, die es noch gibt.