Schusswaffengebrauch

Ex-Pirat Lauer empört Polizeigewerkschaften mit Waffentweet

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Lauer zählt, wie oft die Polizei Berlin in jüngster Zeit auf Menschen geschossen hat und vermutet strukturelle Probleme. Polizeigewerkschaftler reagierten auf einen Tweet empört.

Lauer zählt, wie oft die Polizei Berlin in jüngster Zeit auf Menschen geschossen hat und vermutet strukturelle Probleme. Polizeigewerkschaftler reagierten auf einen Tweet empört.

Foto: Paul Zinken / dpa

Es ging darum, ob bei Polizisten die Waffe zu locker sitzt: Polizeigewerkschaft und Ex-Pirat Christopher Lauer streiten sich heftig.

Berlin.  Der scheidende Abgeordnete und Ex-Pirat Christopher Lauer hat sich auf Twitter mit der Deutschen Polizeigewerkschaft (DPolG) und der Gewerkschaft der Polizei (GdP) angelegt. Hintergrund ist der erneute Schusswaffengebrauch eines Polizisten am Samstag in Berlin. Nach Kritik von ihm nannten Gewerkschaftsfunktionäre ihn „Politclown“ und „sicherheitspolitische Kaulquappe“.

Bei dem Vorfall war ein Mann durch den Schuss eines Polizisten am Oberschenkel verletzt worden. Er soll die Beamten zuvor mit einem Messer bedroht haben. „Langsam entsteht bei mir der Eindruck, die Polizei schießt jetzt so lange jede Woche auf einen Mann mit Messer, bis der Taser da ist“ twitterte Lauer. Die GdP fordert seit Längerem, die Taser genannten Elektroimpulsgeräte im Streifendienst einzusetzen. Lauers Tweet sorgte bei den Polizei-Verbänden für Empörung. „Wer so etwas behauptet, ist eine sicherheitspolitische Kaulquappe“ twitterte der DPolG-Bundesvorsitzende Bodo Pfalzgraf.

Gewerkschaft spricht von „Schwachsinn“

Lauer bezeichnete die DPolG daraufhin als „sogenannte Gewerkschaft voller destruktiver Heulsusen“ und sprach von offenem Hass gegen ihn. In einer Pressemitteilung vom Sonntag bezeichnete der GdP-Landesvizechef Detlef Herrmann Lauer wegen seines Tweets als „Politclown“, der darin die große Bühne wittere und „derartigen Schwachsinn“ von sich gebe.

Lauer absolvierte Hospitanz bei Polizei

Die Antwort Lauers folgte prompt. In mehreren Tweets rechtfertigte der Innenpolitiker seine Kritik. „Da kommen wohl einige nicht damit klar, wenn man kritisch nachfragt, weil sie in den letzten sechs Wochen viermal auf Menschen schossen.“ Gewählte Politiker zu diffamieren helfe bestimmt, das Ansehen der Polizei zu steigern, schrieb Lauer.

Er veröffentlichte auch die Antwort auf eine Mail, in der ihm vorgeworfen wurde, nichts über die Arbeit der Polizei zu wissen. Lauer schrieb von einer zehntägigen Hospitanz und zahlreichen Besuchen bei Dienststellen. „Ich habe eine sehr genaue Vorstellung vom Polizeiberuf, ich weiß, wie hart es ist, zu einem 110 gerufen zu werden und nicht zu wissen, was einen erwartet.“ Es gehe ihm darum, was die Polizei besser machen könne. Es gehöre zur parlamentarischen Demokratie, dass sich die Gewalten gegenseitig kontrollieren.

Lauer war in der 17. Legislatur des Abgeordnetenhauses innenpolitischer Sprecher der Piratenfraktion und vertrat sie auch im Innenausschuss. Lauer erwarb sich den Ruf, bei seinen Themen sehr gut vorbereitet zu sein und sehr beharrlich nachzufragen.

Er ist schon vor einem Jahr aus der Piratenpartei ausgetreten und wechselte im September zur SPD. Nach seinen Tweets in Richtung Polizei gibt es auch Forderungen an die SPD, sich zu distanzieren. (dpa)

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