Bürgerkrieg

Syrisches Regime rückt in den Trümmern von Aleppo vor

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Eine von Trümmern übersäte Straße: Mit heftigen Militärschlägen bereitet das syrische Regime den Vormarsch in die noch von Rebellen gehaltenen Teile Aleppos vor.

Eine von Trümmern übersäte Straße: Mit heftigen Militärschlägen bereitet das syrische Regime den Vormarsch in die noch von Rebellen gehaltenen Teile Aleppos vor.

Foto: ABDALRHMAN ISMAIL / REUTERS

Verletzte und Kranke können in Aleppo kaum noch versorgt werden. Bricht jetzt auch der militärische Widerstand in der Stadt zusammen?

Aleppo.  Die syrischen Streitkräfte haben Regierungs- und Oppositionsangaben zufolge ihren Vormarsch in und um Aleppo fortgesetzt. Im Norden der Metropole hätten Einheiten von Machthaber Baschar al-Assad weitere Geländegewinne verzeichnet, erklärte die oppositionsnahe Beobachtungsstelle für Menschenrechte am Sonntag. Unter den Rebellen habe es „schwere“ Verluste gegeben.

An der Front, die die Stadt zwischen den Regierungstruppen und den Aufständischen teilt, habe es heftige Gefechte gegeben. Bereits in der Nacht seien Dutzende Geschosse in dem Rebellengebiet eingeschlagen. Die syrische Armee forderte die Aufständischen über die Staatsmedien auf, sich aus der Stadt zurückzuziehen. Ihnen werde dabei freie Passage und Hilfe garantiert.

Klinik offenbar von Fassbomben getroffen

In der Stadt steht die medizinische Versorgung der Bevölkerung am Rand des totalen Zusammenbruchs, wie die UN melden. Patienten müssten abgewiesen werden, es fehle an allen Ecken und Enden an Medikamenten, sagte der Koordinator des UN-Büros für die Koordinierung humanitärer Hilfe (OCHA), Stephen O’Brien. „Wir sind in einem Rennen gegen die Zeit.“ Nach UN-Angaben sind mindestens drei Krankenhäuser getroffen worden, darunter eine Kinderklinik für Tausende Patienten. Nach Angaben von Aktivisten und Ärzten wurde eines der letzten Krankenhäuser von mindestens zwei Fassbomben getroffen. Die Rettungshelfer der Weißhelme meldeten, das Krankenhaus sei nun völlig außer Betrieb.

Die Kämpfe in Aleppo waren vor knapp einer Woche erneut entbrannt, als eine von Russland und den USA vereinbarte Waffenruhe scheiterte. Die Offensive der Armee wird von Syriens Verbündetem Russland mit Luftangriffen unterstützt. Anwohnern zufolge waren die jüngsten Bombardements auf Aleppo schwerer als je zuvor. Die Lage werde immer dramatischer.

Kerry und Lawrow erörterten Lage

Russland und die USA verhandeln zwar über eine erneute Feuerpause. Bei den Gesprächen gibt es allerdings kaum Fortschritte, weil sie sich gegenseitig vorwerfen, den Konflikt anzuheizen. Die USA stehen aufseiten der gemäßigten Aufständischen und fliegen Luftangriffe gegen die Extremistenmiliz Islamischer Staat (IS). Die Außenminister der USA und Russlands telefonierten nach Tagen gegenseitiger Vorwürfe miteinander. US-Außenminister John Kerry habe am Samstagabend seinen russischen Kollegen Sergej Lawrow angerufen, um über die Lage in Aleppo zu sprechen. Das teilte das russische Außenministerium am Sonntag in Moskau mit.

Hauptproblem in Aleppo ist nach russischer Darstellung, dass die Oppositionsmilizen sich über die von Russland und den USA vereinbarte Waffenruhe hinwegsetzen. Die gemäßigte Opposition wolle sich nicht von der Terrorgruppe Al-Nusra-Front trennen lassen. Aus Sicht der USA, aber auch der Bundesregierung, verursachen vor allem die russischen und syrischen Luftangriffe auf Aleppo eine humanitäre Katastrophe. (dpa/rtr)

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