Präsidentschaftskandidat

Bericht: Trump könnte 18 Jahre keine Steuern bezahlt haben

| Lesedauer: 4 Minuten
Dirk Hautkapp
Der US-Präsidentschaftskandidat der Republikaner, Donald Trump, hatte es stets abgelehnt, seine Steuererklärung zu veröffentlichen. Das ist gesetzlich zwar nicht Pflicht, in US-Wahlkämpfen aber üblich.

Der US-Präsidentschaftskandidat der Republikaner, Donald Trump, hatte es stets abgelehnt, seine Steuererklärung zu veröffentlichen. Das ist gesetzlich zwar nicht Pflicht, in US-Wahlkämpfen aber üblich.

Foto: JONATHAN ERNST / REUTERS

Der „New York Times“ wurden Steuerunterlagen von Trump zugespielt. Danach sei es ihm möglich gewesen, 18 Jahre lang Steuern zu umgehen.

Washington.  Als Hillary Clinton ihrem Gegenüber in der von 84 Millionen Amerikanern verfolgten TV-Debatte vorhielt, keine Einkommensteuer zu bezahlen, gab Donald Trump impulsiv und selbstverliebt wie immer zurück: „Das beweist nur, wie clever ich bin.“ Viele an den Bildschirmen verdrehten die Augen. Nach der jüngsten Enthüllung der „New York Times“ versagte sich der republikanische Präsidentschaftskandidat jedes Eigenlob und drohte dagegen wütend mit rechtlichen Schritten.

Anhand von anonym eingegangenen Steuer-Unterlagen des New Yorker Bau-Milliardärs aus dem Jahr 1995 ließ Amerikas führende Zeitung von Experten ausrechnen, dass Trump 18 Jahre lang keinen Cent Einkommensteuer gezahlt haben könnte.

Verlust von 916 Millionen Dollar angemeldet

Grund: Vor 21 Jahren machte der Unternehmer, der kurz zuvor eine Hotelkette, eine Fluglinie und mehrere Spielcasinos in Las Vegas finanziell in den Sand gesetzt hatte, einen Verlust von 916 Millionen Dollar (815 Millionen Euro) geltend. Mit damals legalen Abschreibungsmöglichkeiten soll Trump sein zu versteuerndes Einkommen pro Jahr so um rund 50 Millionen Dollar heruntergerechnet haben.

Für den 70-Jährigen kommt der Bericht nach seinem misslungenen Auftritt in der ersten Fernsehdebatte mehr als ungelegen. Trump ist in jüngsten Umfragen wieder zurückgefallen. Parteiunabhängige Wähler bekommen bei ihm zunehmend Bauchschmerzen. Vor allem seine ungezügelten, sexistischen Attacken via Twitter gegen eine frühere Schönheits-Königin haben in der weiblichen Wählerschaft Zweifel verstärkt, ob Trump jemals präsidiables Format erlangen könnte.

Druck wächst, Steuererklärungen offen zu legen

Die „Steuer-Bombe“, so das Magazin „Politico“, wird vor dem zweiten Fernsehauftritt der Kandidaten am nächsten Sonntag (9. Oktober) die Schlagzeilen beherrschen. Außerdem wächst der Druck auf Trump, wie alle Präsidentschaftskandidaten der vergangenen 40 Jahre endlich seine Steuererklärungen als Zeichen der Transparenz offen zu legen. Der Geschäftsmann weigert sich seit Monaten mit der fadenscheinigen Begründung, das US-Finanzamt IRS prüfe ihn noch.

Berichte der „Washington Post“ legten zuletzt den Verdacht nahe, dass Trumps Zurückhaltung andere Gründe hat. In mehreren Berichten enthüllte die Zeitung, dass der Milliardär bei seiner Wohltätigkeitsstiftung gegen Gesetze verstoßen hat. Trumps jetzt bekannt gewordenen Steuer-Tricksereien, die von der „New York Times“ ausdrücklich als gesetzlich legal ausgewiesen werden, werden dem Immobilien-Mogul nach Ansicht von US-Kommentatoren in den verbleibenden fünf Wochen bis zur Wahl „wie ein Mühlstein am Hals hängen“.

Kritik an Trumps Steuerplänen

Trump hatte sich im Wahlkampf als Reparateur des weithin als ungerecht empfundenen Steuersystems empfohlen. Vor allem kleine und mittlere Einkommen, versprach er, würden von seinem Modell der drei Einkommensteuersätze (12, 25 und 33 Prozent) und einer Streichung der Erbschaftssteuer stark profitieren.

Überparteiliche Organisationen wie das „Tax Policy Center“ haben nachgerechnet und laut „Schwindel!“ gerufen: „Die größten Vorteile hätten die Haushalte mit den höchsten Einkommen, also Trump und seinesgleichen.“ Clintons Wahlkampf-Berater erklärten am Wochenende, Trump ziehe bei seinen Steuervorschlägen ein „riesiges Täuschungsmanöver“ auf, von dem am Ende nur „Amerikas Superreiche profitieren würden“.

Trump droht „New York Times“ mit seinen Anwälten

Trumps Wahlkampf-Kampagne ließ die von der „Times“ dargestellten Fakten nicht dementieren. Stattdessen hieß es in einer offiziellen Stellungnahme: „Mr. Trump ist ein sehr erfahrener Geschäftsmann, der treuhänderisch die Verantwortung für sein Geschäft, seine Familie und seine Angestellten trägt, nicht mehr Steuern zu zahlen als er gesetzlich dazu verpflichtet ist.“

Beklagt wurde lediglich, dass die vertraulichen Daten auf „illegalem Weg“ in die Öffentlichkeit geraten seien. Trump droht nun mit seinen Anwälten. Was die „New York Times“ kalt lässt. Chefredakteur Dean Baquet hatte kürzlich öffentlich gesagt, er würde, falls notwendig, auch ins Gefängnis gehen, um Trumps Steuererklärungen abzudrucken. Warum? „Weil er seine gesamte Präsidentschaftskampagne auf seinen geschäftlichen Erfolg und sein Vermögen aufgebaut hat.“

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