Sendestopp

Türkei verbietet Ausstrahlung von kurdischer „Biene Maja“

Der türkische Fernsehrat hat mehrere pro-kurdische Sender aus dem Programm streichen lassen. Verboten wurden sogar Zeichentrickserien.

Die kurdische Version der Kinderserie „Biene Maja“ wird in der Türkei nicht mehr ausgestrahlt. Sie lief auf einem Sender, den der Rundfunkrat gestrichen hat.

Die kurdische Version der Kinderserie „Biene Maja“ wird in der Türkei nicht mehr ausgestrahlt. Sie lief auf einem Sender, den der Rundfunkrat gestrichen hat.

Foto: Apollo-Film / dpa

Istanbul.  Nach der Schließung Dutzender Medien per Notstandsdekret haben die türkischen Behörden die Ausstrahlung von zahlreichen vor allem pro-kurdischen Sendern gestoppt. Auf Antrag des Rundfunk- und Fernsehrates RTÜK habe der Satelliten- und Kabelanbieter Türksat zwölf Fernseh- und elf Radiosender aus dem Programm gestrichen, meldete die staatliche Nachrichtenagentur Anadolu.

Darunter ist der Kindersender Zarok TV, der unter anderem Zeichentrickserien wie „Die Biene Maja“ und „Die Schlümpfe“ ins Kurdische übersetzte und ausstrahlte.

Kindersender als nationales Sicherheitsrisiko

„Wir haben keine offizielle Begründung für diese Entscheidung erhalten“, sagte die Zarok-Programmkoordinatorin Dilek Demiral am Donnerstag. „Wir haben von RTÜK bis jetzt nicht einmal eine Verwarnung erhalten. Die Entscheidung, unseren Sender als ein nationales Sicherheitsrisiko einzustufen, ist ein Skandal.“

Betroffen ist auch der regierungskritische Sender Hayatin Sesi (Stimme des Lebens), der während der Gezi-Proteste im Sommer 2013 unter dem Namen Hayat TV Bekanntheit erlangte.

Grundlage für Anordnung ist Notstandsdekret

Anadolu berichtete, der Beschluss basiere auf einem nach dem Putschversuch Mitte Juli erlassenen Notstandsdekret. Das Dekret besagt, dass Medien und Verlage, die „die nationale Sicherheit gefährden“, ohne Gerichtsbeschluss von der Regierung geschlossen werden können.

Auf dieser Basis waren noch im Juli drei Nachrichtenagenturen, 16 Fernsehsender, 23 Rundfunkstationen, 15 Magazine und 45 Zeitungen wegen angeblicher Gülen-Nähe geschlossen worden. Die türkische Regierung macht den in den USA lebenden Prediger Fethullah Gülen für den Putschversuch verantwortlich. (dpa)

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