Politik

„Die FDP ist wieder da“

Die Berliner Liberalen haben nach fünf Jahren die Rückkehr in die Berliner Politik geschafft. Sie sehen das auch als Zeichen für die bevorstehende Bundestagswahl

Es ist voll im Atrium des Thomas-Dehler-Hauses an der Reinhardtstraße. Sehr voll. Kaum einen Berliner Liberalen scheint es an diesem Abend vor dem heimischen Fernseher gehalten zu haben. Es riecht nach Rasierwasser und Bratwurst. Eine Frau in einem hellblauen Janker erzählt, sie sei mit ihrem Mann aus Niedersachsen angereist. Das Comeback der FDP hätten sie sich nicht entgehen lassen wollen. Die Freidemokraten sind gespannt, aber selbstsicher. Kaum einer zweifelt in der Zentrale der Bundes-FDP an einer Rückkehr in die Politik der Hauptstadt. Lediglich wie viele Punkte jenseits der Fünf-Prozent-Hürde gelingen, scheint noch ungewiss.

An der großen Leinwand werden Twitter-Kurznachrichten mit dem Hashtag #FDP gezeigt. Es gibt viele Kopf-Hoch-Parolen aus dem Bundesgebiet, aber auch Glückwünsche – schon vor einem offiziellen Ergebnis. Vor der ersten Prognose um 18 Uhr tritt kurze Stille ein, dann bricht frenetischer Jubel los, als klar wird, dass der FDP nach den 1,8 Prozent bei der Berlin-Wahl 2011 mit mehr als sechs Prozent die Rückkehr in die Politik der Hauptstadt gelungen ist. Die Menschen im Thomas-Dehler-Haus klatschen, und nach der Melodie von „Es ist noch Suppe da“ singen sie „Die FDP ist wieder da“. Die Dame mit der hellblauen Jacke hat Tränen in den Augen, singt aber begeistert mit.

Die Rechnung der FDP rund um ihren Spitzenkandidat Sebastian Czaja scheint aufgegangen zu sein. „Wir sind natürlich erfreut über das Wahlergebnis für die Berliner FDP und die Bundespartei. Wir haben zusammen gekämpft“. sagt Czaja der Berliner Morgenpost. Auch Christian Lindner, der Chef der Bundes-FDP, deutet die Wahl zum Berliner Abgeordnetenhaus als Zeichen für die Bundespolitik. „Weit über diese Stadt hinaus ist das ein Signal“, sagt Lindner am Abend in Berlin.

Die FDP sieht sich im Aufwind, auch, wenn Czaja fast bescheiden formuliert, dass es jetzt erst einmal darum gehe, das Vertrauen, das der FDP entgegengebracht worden sei, durch solide parlamentarische Arbeit zu bestätigen.

Offenhaltung von Tegel als zentrale Wahlkampfaussage

Doch viel mehr als die Rolle einer kritischen Oppositionspartei, werden die Freidemokraten in Berlin wohl vorerst nicht spielen. Czaja will indes weiter an den Forderungen arbeiten, die er und seine Partei im Wahlkampf so geschickt in Szene gesetzt haben und die den Liberalen viele Stimmen eingebracht haben. Allen voran ihr emotionalster Hauptakzent: die Offenhaltung des Flughafens Tegel. Das zunehmende Passagieraufkommen in der wachsenden Region und der zu klein konzipierte und noch immer unfertige BER, so ihre Argumente gegen die Beschlüsse des Senats, leuchteten offenbar vielen ein. Für Czaja ist diese Forderung aber nur ein Teil dessen, was die FDP auf die Agenda der Berliner Politik setzen will. Zu einer „funktionierenden Stadt“, so eines seiner Leitworte, gehöre auch die Digitalisierung. „Das muss schnell bei den Bürgerämtern geschehen, damit es wieder ausreichend Termine gibt“, versichert Czaja am Sonntagabend. Dazu komme auch, dass der Sicherheitsapparat der Stadt „besser organisiert sein müsse als das Verbrechen“, und er wolle sich dafür einsetzen, dass man „in dieser Stadt wieder „in Bewegung kommt“. Es könne doch nicht sein, dass man in Berlin 105 Stunden im Stau verbringe, sagte Czaja.