Flüchtlinge

Immer mehr syrische Frauen sind alleine auf der Flucht

Syrische Frauen müssen auf der Flucht häufig allein für ihre Kinder sorgen, berichtet „Care“. Ihnen drohen sexuelle Gewalt und Armut.

In Griechenland, wo weiterhin Zehntausende Flüchtlinge ausharrten, ist die Situation laut Care besonders schwierig – etwa auf diesem ehemaligen Flughafen in Athen.

In Griechenland, wo weiterhin Zehntausende Flüchtlinge ausharrten, ist die Situation laut Care besonders schwierig – etwa auf diesem ehemaligen Flughafen in Athen.

Foto: MICHALIS KARAGIANNIS / REUTERS

Bonn.  Immer mehr Frauen aus Syrien sind einem Bericht der internationalen Hilfsorganisation Care zufolge mit ihren Kindern allein auf der Flucht. 40 Prozent aller syrischen Flüchtlingsfamilien in Jordanien müssten ohne Familienvater auskommen, teilte Care am Montag in Bonn nach einer Untersuchung in Jordanien mit.

Dies seien fast doppelt so viele Familien wie noch vor zwei Jahren. In Jordanien werde bereits jedes zehnte syrische Mädchen verheiratet, weil viele Mütter nicht mehr wüssten, wie sie ihre Kinder sonst versorgen könnten, erklärte Care-Generalsekretär Karl-Otto Zentel.

Familien werden nicht zusammengeführt

In Griechenland, wo weiterhin Zehntausende Flüchtlinge ausharrten, sei die Situation besonders schwierig, hieß es. Hier müsse sogar jede zweite Frau allein ihr eigenes und das Überleben der Kinder sichern. Väter oder andere männliche Familienmitglieder seien häufig vor der Schließung der Balkanroute nach Deutschland oder in andere europäische Länder geflohen, in der Hoffnung, ihre Familien dann nachholen zu können.

Doch die Familienzusammenführungen und zugesagten Umsiedlungen liefen schleppend, hieß es. Von den vorgesehenen 66.400 Umsiedlungen, die Griechenland entlasten sollen, seien bis heute jedoch nur knapp 3.700 Menschen in anderen EU-Ländern aufgenommen worden.

Von sexueller Gewalt und Armut bedroht

Neben Gewalt und sexuellen Übergriffen, denen die Frauen und Mädchen häufig ausgesetzt seien, seien sie die Gruppe unter den Flüchtligen, die immer stärker von Armut bedroht sei, hieß es. Vor zwei Jahren hätten 50 Prozent der befragten Flüchtlingshaushalte in Jordanien angegeben, genug zu essen zu haben. Diese bereits alarmierende Situation habe sich weiter verschlechtert. Nunmehr hätten nur noch 15 Prozent der Befragten angegeben, ausreichend zu essen zu haben.

Gegenwärtig leben nach Care-Angaben ungefähr 4,8 Millionen syrische Flüchtlinge in der Region des Nahen Ostens, einschließlich der Türkei. Von ihnen sind schätzungsweise die Hälfte Frauen. (epd)

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