Politik

Schlussspurt mit Kanzlerin und einem Griechen

Berlins Parteien steuern auf den Höhepunkt des Wahlkampfs zu. Noch eine Woche lang werben sie um Stimmen

Endspurt im Kampf um die Macht in Berlin. In einer Woche ist Wahltag. Dann entscheiden die Berliner über die Zusammensetzung des neuen Abgeordnetenhauses. Die großen Parteien liegen nach letzten Umfragen nah beieinander. Also wird noch einmal alles gegeben. In dieser Woche kommen zum Einsatz: diverse Berliner, Hamburger und griechische Spitzenpolitiker, ein Truck und jede Menge Fahrräder.

Machen wir den Anfang mit der ranghöchsten Politikerin, der Bundeskanzlerin. Angela Merkel und die Union setzen auf vertrautes Terrain – Lichterfelde-Ost. Am Mittwoch wird die Bundesvorsitzende der CDU am frühen Abend auf dem Kranoldplatz reden. Es wird der zweite und letzte Auftritt der Kanzlerin im Berliner Wahlkampf sein. Der erste fand diese Woche vor Wirtschaftsvertretern in der Bundeszentrale der Union statt. Nun also Lichterfelde-Ost. Den Ort kennt Merkel. Schon zwei Mal trat sie dort auf, um für die CDU-Spitzenkandidaten zu werben. 2006 und 2011 war sie schon dort. Nach Eierwürfen im Wahlkampf 2001 auf dem Alexanderplatz gilt der Kranoldplatz als Heimspiel. Ist doch die CDU in dem bürgerlichen Kiez immer noch gut vertreten.

Die SPD zieht es dagegen auf den Winterfeldtplatz. Wo sonst in Schöneberg einer der schönsten Wochenendmärkte steht, soll nun die politische Ernte der vergangenen Wochen und Monate eingefahren werden. Nach letzten Umfragen wird das Ergebnis allerdings nicht überragend werden. Deswegen holt auch die SPD noch einmal Bundesprominenz auf die Bühne. Am Freitagabend wird es auf dem Wittenbergplatz eine Kundgebung mit dem Regierenden Bürgermeister Michael Müller, Außenminister Frank-Walter Steinmeier sowie Hamburgs ersten Bürgermeister Olaf Scholz geben. Dazu spielen Nessi und Glasperlenspiel auf.

Während die Sozialdemokraten auf Schubwirkung durch den beliebtesten deutschen Politiker (Steinmeier) und den beliebtesten Hamburger Politiker (Scholz) hoffen, setzt die Linke auf einen Griechen. Ganz zum Schluss des Wahlkampfs, also wirklich ganz am Ende, nämlich am Sonnabendabend nur Stunden vor Öffnung der Wahllokale, wird Linke-Spitzenkandidat Klaus Lederer im Astra-Kulturhaus in Friedrichshain auftreten. An seiner Seite: der griechische Ex-Finanzminister, Knallhart-Verhandler und Schäuble- Widersacher Yanis Varoufakis.

Es wird dann aller Voraussicht nach im Gespräch mit Varoufakis nicht um Berliner Landesprobleme gehen. Aber über eine grundsätzliche gemeinsame Politik, das große ganze Linke, darüber lässt sich an einem Sonnabend ja auch nett reden. Deutlich basisnäher wird sich die Partei am Tag zuvor, am Freitag, auf dem Alexanderplatz an der Weltzeituhr geben. Dort gibt es Bundeshilfe durch Gregor Gysi, Katja Kipping und anderen – sowie durch einen roten Truck samt Bühne. Das Wahlkampfmobil stellt die Bundespartei den Landesverbänden zu Wahlkampfzwecken zur Verfügung – zuletzt bei der Wahl in Mecklenburg-Vorpommern.

Ein Lkw als Wahlkampfhilfe? Das geht naturgemäß bei den Grünen gar nicht. Die Partei setzt aufs Rad. Nicht nur bei ihrer Verkehrspolitik, sondern auch beim Wahlkampfabschluss. Am Freitagnachmittag werden die Grünen samt bundespolitischer Unterstützer wie Cem Özdemir per Pedale vom Park am Gleisdreieck zum Frankfurter Tor fahren. Dort soll es noch einmal etwas ganz Großes geben. Mehr wollte man vorab nicht verraten. Wie groß die Radfahrer-Gruppe an diesem Freitag werden wird, ist noch nicht klar. Mit etwa 150 bis 200 Teilnehmern rechnen die Organisatoren aus dem Grünen Wahlkampfstab. Und weil man ja in Deutschland ist und die Grünen schon lange keine chaotische Partei mehr sind, hat man die Radtour ordnungsgemäß angemeldet: als Demonstration bei der Versammlungsbehörde in Berlin.