Politik

Zurück bleibt ein Scherbenhaufen

Die Piraten waren irgendwie anders – doch das zu wenig

Klarmachen zum Ändern! Mit diesem Slogan waren die „Piraten“ einst angetreten, um die Parteienlandschaft aufzumischen. Irgendwie war das toll. Da kamen ein paar Typen, die in gängige Schubladen – links, rechts, radikal – nicht passen wollten und deren Erscheinung und Auftreten tatsächlich „anders“ war, als das der etablierten Parteien.

Und jetzt, zehn Jahre nach der Gründung der Piraten? Da stehen die wenigen, die in der Partei noch ernsthaft aktiv sind, vor einem Scherbenhaufen. Die Mannschaft zerstritten, die meisten Matrosen, aber auch Steuermänner und -frauen von Bord gegangen oder in andere Parteien eingetreten. In Berlin erreichten die Piraten vor fünf Jahren 8,9 Prozent. Dass sie diesmal an der Fünf-Prozent-Hürde scheitern, gilt als sicher.

Wie konnte das passieren? Im Nachhinein ist man da immer klüger. Und weil Klugheit nicht schadet, kann man nun feststellen, dass der Niedergang der Piraten vorhersehbar war. Denn die Partei war eigentlich nie eine. Denn die fast einzige Überzeugung, die ihre Mitglieder einte, war, dass man irgendwie mehr Computer benutzen sollte. Und – immerhin, das war wenigstens politisch – dass es im Internet keine Beschränkungen geben sollte.

Sicher, die Piraten hatten auch andere Ziele. Sie wollten die Meinungsbildung mit einer, dann auch gescheiterten, neuen Software revolutionieren. Das war schon mal was. Aber es reichte nicht, um eine Ansammlung von Menschen, von denen sich viele im Grunde nicht für Politik interessierten, zur politischen Organisation zu machen.

Nein, irgendwie anders sein und irgendwie was „ändern“ zu wollen, war zu wenig, um politisch gestalten – oder auch nur überleben zu können. Dafür braucht es gemeinsame Überzeugungen. Für diese Erkenntnis: Danke, Piraten! Und jetzt macht’s gut! Die wirklich politischen Köpfe bleiben nach dem Austritt aus den Piraten ja erhalten – diesmal in „echten“ Parteien. Seite 15