Rente

Nur jeder Zweite leistet sich eine private Altersvorsorge

64,9 Prozent der Deutschen fürchten laut einer Umfrage, dass ihre Rente nicht reicht. Jeder Dritte hat aber kein Geld für die Vorsorge.

Ein Rentner zählt sein Kleingeld. Vielen Menschen fehlt schlichtweg das Geld für die private Altersvorsorge.

Ein Rentner zählt sein Kleingeld. Vielen Menschen fehlt schlichtweg das Geld für die private Altersvorsorge.

Foto: Future Image / imago/Future Image

Berlin.  Die finanzielle Lage im Alter bereitet vielen Deutschen Kopfzerbrechen. Fast zwei Drittel (64,9 Prozent) fürchten, dass ihre gesetzliche Rente nicht ausreichen wird. Dennoch sorgen nur 52,5 Prozent privat für ihren Ruhestand vor, wie aus einer repräsentativen TNS-Emnid-Umfrage im Auftrag der Postbank hervorgeht, die dieser Zeitung vorliegt. Befragt wurden 1002 Bürger im Alter von über 16 Jahren.

Vielen Menschen fehlt schlichtweg das Geld für die private Vorsorge. 36,3 Prozent der Befragten geben an, nicht genügend finanzielle Mittel dafür zu haben. Fast jeder Fünfte glaubt allerdings, ausreichend Vermögen zu besitzen, um im Alter auskömmlich leben zu können. 11,6 Prozent verlassen sich der Umfrage zufolge auf die Vorsorge ihres Partners. Und 31,6 Prozent haben sich noch keine Gedanken gemacht.

Verbraucherschützer halten eine zusätzliche Altersvorsorge für wichtig

Doch ohne private Vorsorge wird es nach Ansicht von Finanzexperten schwer, den Lebensstandard im Alter zu halten. „Aktuell deckt die gesetzliche Standardrente netto etwa 48 Prozent des Durchschnittseinkommens ab – Tendenz fallend“, sagt Karsten Rusch, Leiter des Investments bei der Postbank. Je weiter das Renteneintrittsalter in der Zukunft liege, desto größer sei die zu erwartende Rentenlücke.

„Wer nicht ausreichend vorsorgt, wird seinen gewohnten Lebensstandard im Alter nicht halten können und – im schlimmsten Fall – in die Altersarmut rutschen.“ Auch Verbraucherschützer halten eine zusätzliche Altersvorsorge für wichtig. „Die gesetzliche Rente wird aber weiterhin das wichtigste Standbein der Altersvorsorge sein“, meint Dorothea Mohn, Finanzexpertin beim Verbraucherzentrale Bundesverband.

Das Engagement für die Altersvorsorge unterscheidet sich stark nach Bildung und Alter. Unter Bürgern mit Volks- oder Hauptschulabschluss sorgen 40,6 Prozent privat vor. Von denen, die Realschulabschluss, Abitur oder Uni-Studium haben, legen jeweils 61 Prozent etwas fürs Alter zurück. Am wenigsten ist die private Altersvorsorge unter den 16- bis 29-Jährigen ausgeprägt, von denen nur ein Drittel sich darum kümmert. Am meisten sorgen 30- bis 59-Jährige vor – hier liegt der Anteil bei mehr als 65 Prozent.

Geringverdienende schätzen ihre Zukunft am schlechtesten ein

„Je niedriger das eigene Einkommen, desto geringer die Motivation, aber auch die finanziellen Möglichkeiten, für das Alter Rücklagen zu bilden. Dies ist ein Teufelskreis“, sagt Postbank-Experte Rusch. So seien gerade die unteren Einkommensklassen ohne private Vorsorge in hohem Maß von Altersarmut bedroht.

Gut zwei Drittel der Bundesbürger erwarten dennoch, dass sie ihren Lebensstandard auch im Alter halten können. Dies glauben 72,23 Prozent der Männer, aber nur 63,2 Prozent der Frauen. Im Westen sind davon 70,1 Prozent überzeugt, im Osten 56,1 Prozent. Allerdings gehen 40,9 Prozent der Befragten davon aus, dass sie sparsamer mit ihrem Geld umgehen müssen. Geringverdienende schätzen ihre Zukunft am schlechtesten ein: So meinen mehr als ein Drittel (36,4 Prozent) der Beschäftigten mit einem Monatsnettoeinkommen unter 2500 Euro, dass sie ihren Standard nicht halten können. Unter den Besserverdienenden ist es nur gut jeder Fünfte, der an seiner Versorgung im Ruhestand zweifelt.