Eheschließungen

Innenministerium fordert klares Verbot von Kinderehen

Mehr als 1000 Kinder in Deutschland sind verheiratet. Das Innenministerium fordert nun ein Verbot. Es gebe keine religiösen Gründe.

In Deutschland sind inzwischen 1475 verheiratete Kinder und Jugendliche registriert.

In Deutschland sind inzwischen 1475 verheiratete Kinder und Jugendliche registriert.

Foto: imago stock&people / imago/Christian Ditsch

Berlin.  Das Bundesinnenministerium fordert, im Ausland geschlossene Kinderehen in Deutschland zu annullieren. Als Reaktion auf neue Zahlen über minderjährig Verheiratete sagte der parlamentarische Staatssekretär Ole Schröder (CDU) dieser Redaktion: „Wir brauchen ein eindeutiges Verbot, Kinderehen aus dem Ausland in Deutschland fortzuführen. Kinderehen schaden Kindern immer.“ Dafür dürfe es keine religiösen Rechtfertigungen geben, so Schröder.

Zuvor hatte diese Redaktion exklusiv berichtet, dass inzwischen 1475 verheiratete Kinder und Jugendliche in Deutschland registriert sind. 361 von ihnen sind jünger als 14 Jahre alt. Die meisten minderjährig Verheirateten stammen aus Syrien.

Ehen in Deutschland ab Volljährigkeit erlaubt

Bundesjustizminister Heiko Maas (SPD) reagierte alarmiert: „Niemand darf zu einer Ehe gezwungen werden, erst recht keine Kinder.“ Man müsse alles tun, um Kinder und Jugendliche vor Missbrauch und Zwangsheirat besser zu schützen. Die Vizefraktionsvorsitzende der Grünen im Bundestag, Katja Dörner, erklärte, bei den Kindern unter 14 Jahren sei die Rechtslage klar: „Diese Ehen sind in Deutschland nicht zulässig.“

In Deutschland sind Ehen derzeit ab der Volljährigkeit erlaubt, in Ausnahmefällen aber schon mit 16 Jahren. Die Debatte um die Abschaffung dieser Ausnahmen läuft bereits länger: Eine Bund-Länder-Arbeitsgruppe zu Kinderehen hat laut Justizministerium ihre Arbeit bereits aufgenommen. Sie soll „noch in diesem Jahr einen konkreten Vorschlag auf den Weg bringen“, sagte Maas. (kam)