Politik

Mord mit dem Auto

Andreas Abel

Staatsanwälte senden starkes Signal an Straßenrennfahrer

Zwei junge Männer haben einen Autounfall verursacht, bei dem ein Mann ums Leben kam. Sie müssen sich nun vor Gericht verantworten. Das allein ist nicht ungewöhnlich. Ungewöhnlich ist indes der Tatvorwurf, den die Staatsanwaltschaft formuliert hat: Mord. Wir kennen in solchen Zusammenhängen Körperverletzung mit Todesfolge oder fahrlässige Tötung, aber Mord? Immerhin der schwerste Vorwurf, den das Strafrecht kennt.

Bei näherer Betrachtung ist die Argumentation der Staatsanwälte nachvollziehbar. Die beiden Männer hatten sich zu einem illegalen Autorennen verabredet, rasten in ihren PS-starken Fahrzeugen mit Tempo 160 nebeneinander über Kurfürstendamm und Tauentzienstraße, überfuhren dabei mehrere rote Ampeln. An einer Kreuzung rammte einer von ihnen den Wagen eines 69-Jährigen. Der starb noch am Unfallort. Wer sich so verhält wie die beiden Tatverdächtigen, nehme billigend in Kauf, dass sein Handeln tödliche Folgen hat, argumentieren die Staatsanwälte. Das klingt plausibel, reicht aber mutmaßlich nicht für eine Mordanklage. Deshalb gehen die Ankläger weiter und sagen, die beiden hätten gemeingefährliche Mittel eingesetzt und aus niedrigen Beweggründen gehandelt. Jeder von ihnen wollte ein Autorennen gewinnen, wohl wissend, dass dieser Wettbewerb illegal ist.

Die Öffentlichkeit wird gespannt verfolgen, ob die Richter dieser neuen Qualität der Strafverfolgung folgen und ein entsprechend hartes Urteil fällen. Es wäre ein wünschenswertes Signal an die Szene der Straßenrennfahrer, der nur schwer beizukommen ist. Die Polizei kann zu Schwerpunktkontrollen ausrücken, die Stadt flächendeckend überwachen kann sie nicht. Abschrecken können vermutlich nur angemessen harte Strafen: Führerscheinentzug, Einziehung des Fahrzeugs und in groben Fällen Gefängnis. Nicht nur für den Unfallverursacher, sondern im selben Strafmaß auch für seinen Konkurrenten. Seite 14

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