Landtagswahl

Mecklenburg-Vorpommern: Bleiben nun die Touristen weg?

Fast 21 Prozent für die AfD, hat Meck-Pomm „dumm“ gewählt? Nicht nur das Netz diskutiert über die Frage, denn das Land lebt von Fremden.

Der Tourismus ist ein wichtiges wirtschaftliches Standbein in Mecklenburg-Vorpommern. Warum wählen dann so viele die fremdenfeindliche AfD?

Der Tourismus ist ein wichtiges wirtschaftliches Standbein in Mecklenburg-Vorpommern. Warum wählen dann so viele die fremdenfeindliche AfD?

Foto: Stefan Sauer / dpa

Berlin.  Ausgerechnet Usedom: 32,3 Prozent der Stimmen in dem Wahlkreis mit der Ostsee-Insel gewann die fremdenfeindliche AfD bei der Landtagswahl am Sonntag – das stärkste Ergebnis landesweit. Dabei lebt Usedom wie viele Regionen im Nordosten von Fremden, von Touristen nämlich. Im Internet kündigen schon manche Nutzer an, Mecklenburg-Vorpommern künftig als Reiseland zu meiden.

Ein Tweet des früheren Grünen-Mitglieds Daniel Mack hat bei Twitter eine Diskussion ausgelöst, ob sich Meck-Pomm mit dem starken Abschneiden der AfD nicht ins eigene Fleisch geschnitten hat. Mack nannte Mecklenburg-Vorpommern das am „dümmsten besiedelte Bundesland“.

Mit seinem Kommentar hat Mack viel Kritik ausgelöst, vor allem bei seinem früheren Parteifreund und prominenten Grünenpolitiker Reinhard Bütikofer. Der schrieb bei Twitter, Mack solle sich den „arroganten Schwachsinn“ sparen.

Doch Mack ist nicht allein mit seinen Äußerungen. Bei Twitter macht eine Art Reisewarnung die Runde, eine Aufstellung der Stimmergebnisse für AfD und NPD in den Gemeinden auf Usedom:

Manche Nutzer kommentieren das Bild mit „Nie mehr Usedom!“ oder „Usedom? Muss ich nicht hinfahren.“ Aber wird der Tourismus in dem Land und speziell auf Usedom tatsächlich unter dem AfD-Ergebnis leiden?

Fremdenfeindlichkeit nicht der Grund für AfD-Abschneiden

„Das ist sicherlich kein Wahlergebnis, das mich erfreut oder unserem Bemühen um ausländische Gäste weiterhilft“, sagt Beate-Carola Johannsen, die Vorsitzende des Usedomer Tourismusverbands unserer Redaktion. „Wir werden jedenfalls nicht davon abrücken, uns als weltoffene und tolerante Tourismusregion zu präsentieren.“ Aber um Prognosen zu den Folgen abzugeben, sei es einen Tag nach der Wahl zu früh.

Fremdenfeindlichkeit ist nach Meinung von Johannsen auch nicht die Ursache für das starke Abschneiden der AfD auf Usedom. Sie führt örtliche Themen an: Die Stadt Wolgast habe das Finanzamt und das Amtsgericht verloren, das Krankenhaus die Geburten- und Kinderstation. „Da haben viele Bürger monatelang gegen gekämpft und protestiert, aber das ist von der Landesregierung alles weggewischt worden.“ Auch das könne dazu geführt haben, dass viele Menschen die AfD gewählt haben. „Auch wenn das kein Grund sein sollte und ich mir selbst ein anderes Ergebnis gewünscht habe.“

Auch AfD-Sympathisanten machen Urlaub

Die Äußerung des Ex-Grünen Mack hält Johannsen darum auch für eine Unverschämtheit. „Kein Politiker hat das Recht, die Bevölkerung eines ganzen Bundeslandes so diffamieren.“ Ähnlich äußert sich Tobias Woitendorf, der Sprecher des Landes-Tourismusverbandes: „Die Aussage disqualifiziert sich im Grunde selbst. Herr Mack geht hier über all diejenigen hinweg, die seit 25 Jahren versuchen, dieses Land nach vorne zu bringen.“ Mack sei womöglich enttäuscht darüber, dass die Grünen den Wiedereinzug in den Schweriner Landtag verpasst haben.

Auch Woitendorf glaubt nicht, dass sich das AfD-Ergebnis langfristig auf den Tourismus auswirken wird: „Die AfD ist ein bundesweites Phänomen und das Wahlergebnis nicht ganz so schlimm wie im Vorfeld befürchtet.“ Als nach der vorherigen Landtagswahl 2011 die rechtsextreme NPD in den Landtag einzog, habe es ähnliche Befürchtungen gegeben. „Manche reagieren vielleicht mit Empörung auf so ein Wahlergebnis und überlegen, ihren nächsten Urlaub nicht in Mecklenburg-Vorpommern zu verbringen“, so Woitendorf. „Aber das sind relativ wenige.“ Und AfD-Sympathisanten machten schließlich auch Urlaub.