Kneipenverbot

Ballermann im Kreuzberger Kiez muss verhindert werden

Mit einem Bebauungsplan will der Bezirk die Zahl der Kneipen begrenzen. Das ist genau der richtige Weg, kommentiert Regina Köhler.

Kellnerin in Kreuzberger Eckkneipe

Kellnerin in Kreuzberger Eckkneipe

Foto: system / Amin Akhtar

Die Bezirkspolitiker aus Friedrichshain-Kreuzberg sind auf dem richtigen Weg. Vielleicht gelingt es ihnen sogar, Stadtgeschichte zu schreiben. Sie wollen verhindern, dass weitere Kieze ihres Bezirks zum Ballermann werden wie das Gebiet rund um die Simon-Dach-Straße im Friedrichshain. Dort reiht sich bekanntlich eine Kneipe an die andere, sämtliche Gehsteige sind von Touristen okkupiert und sogar nachts ist es laut und voll. Für ein normales Kiezleben ist dort schon lange kein Platz mehr.

Damit es nicht bald auch in anderen Gebieten des Bezirks so oder so ähnlich aussieht, wollen die Politiker nun mit Hilfe einer Studie herausfinden, ob es rechtlich machbar ist, die Zahl der Kneipen einzugrenzen. Sie schauen dabei nach Heidelberg, wo genau das seit Jahren erfolgreich praktiziert wird. Starten soll ihr Pilotprojekt im Kiez rund um die Reichenberger Straße. Dort steht die Entwicklung bereits auf der Kippe.

Vor Jahren zogen mehr und mehr gut verdienende Leute dorthin, weil es viele kleine Geschäfte gab, ein paar schöne Restaurants und Cafés, Kitas, Arztpraxen, kleine Handwerksbetriebe, weil junge und alte Menschen dort zusammen lebten. Doch dann passierte, was oft passiert, wenn sich herumspricht, dass die Atmosphäre in einem Kiez besonders angenehm ist – immer mehr Gutverdiener kamen, immer mehr Kneipen und Cafés eröffneten. Immer mehr Touristen besuchten das Viertel.

Dagegen ist im Grunde nichts einzuwenden, so lange die soziale Durchmischung der Bewohner stimmt und ein guter Mix an Geschäften, sozialen Einrichtungen und Restaurationen bestehen bleibt. Deshalb muss verhindert werden, dass die Kneipen überhand nehmen und sich nur noch Touristen in einem Kiez tummeln. Genau das ist das Ziel der Politiker in Friedrichshain-Kreuzberg. Schaffen sie es, könnten sich andere Bezirke an ihrem Vorgehen orientieren. Berlins Kieze wären gerettet.