Antiterror-Einsatz

Wie ein Drohnenangriff den Terror-Planer des IS tötete

Al-Adnani war einer der meistgesuchtesten Terroristen der Welt. Nun starb der IS-Planer in Syrien durch einen Angriff aus der Luft.

Abu Muhammad al-Adnani stand als IS-Sprecher und Propagandachef weit oben auf der Liste der meistgesuchten Terroristen.

Abu Muhammad al-Adnani stand als IS-Sprecher und Propagandachef weit oben auf der Liste der meistgesuchten Terroristen.

Foto: dpa

Kairo.  Die Rakete traf den Wagen in der Nähe der Ortschaft Al-Bab, nicht weit von Aleppo in Syrien. Dort liefern sich seit Wochen arabische und kurdische Rebellen Gefechte mit dem „Islamischen Staat“, um dessen letzte Nachschubwege in die Türkei zu kappen. Wenige Stunden später gab die IS-nahe Website Amak bekannt, der Sprecher des „Islamischen Kalifats“ und Terrorplaner von Brüssel und Paris, Abu Muhammad al-Adnani, sei bei dem Angriff getötet worden.

Amak schrieb: „Er starb als Märtyrer, während er Operationen inspizierte, mit denen Militärangriffe gegen Aleppo zurückgeschlagen werden sollten.“ Das Pentagon in Washington dagegen gab sich zunächst zurückhaltend. Man werte die Wirkung des Präzisionsschlages noch aus, erklärte ein Sprecher. Kräfte der US-geführten Koalition hätten aber am Dienstag einen „Präzisionsschlag“ gegen Al-Adnani verübt. Russland reklamierte später die Tötung ebenfalls für sich.

Sein Tod ist ein schwerer Schlag für den IS

Klar ist: Al-Adnani war einer der meistgesuchtesten Terroristen der Welt. Sein Ende dürfte als gewiss gelten, da alle bisher über offizielle IS-Kanäle bekannt gegebenen Tode von Führungskadern der Wahrheit entsprachen. Zuvor waren bereits die Nummer Zwei, Abd ar-Rahman Mustafa al-Qaduli, und einer der besten Kommandeure, der Tschetschene Omar al-Shishani, durch Luftangriffe gestorben.

Auch wenn Al-Adnani, wie andere vor ihm, schnell durch einen Nachfolger ersetzt werden wird – sein Tod ist ein weiterer schwerer Schlag für die Extremisten. Zudem zeigt der Drohnen-Erfolg, wie präzise der amerikanische Geheimdienst und die Spezialkräfte vor Ort mittlerweile über IS-Interna informiert sind.

Die Bereitschaft zum Verrat nimmt zu

Dies könnte damit zusammenhängen, dass in den Reihen der Terrormiliz nach der verheerenden Serie von Niederlagen die Frustration genauso wächst wie die Bereitschaft zum Verrat. Immer mehr ausländische Dschihadisten suchen Kontakt zu den Botschaften ihrer Heimatländer in der Türkei, weil sie das IS-Territorium verlassen wollen.

Al-Adnani, der mit bürgerlichem Namen angeblich Taha Sobhi Falaha hieß, wurde 1977 im Städtchen Binnish in der nordsyrischen Provinz Idlib geboren. Nach Angaben ehemaliger Nachbarn waren seine Eltern extrem arm, die Kinder mussten zum Lebensunterhalt in Olivenhainen reicher Bauern die Bäume wässern.

Aufstieg bis zum Propagandachef

Al-Adnani selbst ging 2003 in den Irak. Dort kämpfte er von Anfang mit Al-Kaida im Irak gegen die US-Invasion. Dort soll er zeitweise auch im südirakischen Camp Bucca gewesen sein, wo damals 24.000 Iraker eingesperrt waren. Viele aus der heutigen Führung des „Islamischen Staates“ lernten sich in diesem Hochsicherheitskomplex kennen.

2011 kehrte er nach Syrien zurück und schloss sich zunächst der Al-Nusra-Front an. Drei Jahre später gehörte er zu den Mitbegründern des „Islamischen Staates“, nachdem sich der selbst ernannte IS-Kalif Abu Bakr Al-Baghdadi mit der Al-Kaida-Führung in Afghanistan überworfen hatte. Im IS stieg er schnell zum Propagandachef auf, verantwortlich für die schockierenden Videos von Enthauptungen und Massakern, die abertausende Rekruten aus mehr als 80 Staaten der Welt anlockten.

Mordaufruf an Muslime in Europa

Gleichzeitig war Al-Adnani Chef der hochkonspirativen IS-Abteilung für Auslandseinsätze, wie verhaftete Gesinnungsgenossen aussagten. Diese Spezialzentrale soll vor allem in Europa Attentate organisieren oder Sympathisanten vor Ort zu Bluttaten anstacheln.

Schon im September 2014 rief der Drahtzieher des Terrors in einer 42 Minuten langen Tirade alle Muslime der westlichen Länder auf, Europäer und Amerikaner zu töten, vor allem die dreckigen Franzosen, „wo immer und wie immer ihr könnt. Schlagt ihnen mit einem Stein den Schädel ein, stecht sie mit einem Messer ab, überfahrt sie mit eurem Auto, werft sie von einem hohen Ort, erwürgt sie oder vergiftet sie“, hetzte er – eine hasserfüllte Saat, die dann bei den Massakern in Paris und Brüssel, in Nizza und der Normandie, in Orlando und Istanbul sowie in Würzburg und Ansbach aufging.

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