Kirche

CDU und SPD sprechen sich für Lockerung des Zölibats aus

In der katholischen Kirche herrscht Priestermangel. Nun wird über eine Lockerung des Zölibats gesprochen. CDU und SPD begrüßen das.

2015 ließen sich in Deutschland nur 58 Männer zu Priestern der katholischen Kirche weihen.

2015 ließen sich in Deutschland nur 58 Männer zu Priestern der katholischen Kirche weihen.

Foto: imago stock&people / imago/Leemage

Düsseldorf.  Ein Vorstoß des Zentralkomitees der deutschen Katholiken (ZdK) für eine Lockerung des Zölibats ist bei den Parteien CDU und SPD auf Zustimmung gestoßen. Die Unionsfraktion rief die katholische Kirche dazu auf, sich offen der Debatte um die Zukunft des Zölibats zu stellen.

Franz Josef Jung, der Kirchenbeauftragte der CDU/CSU-Bundestagsfraktion, sagte, er empfinde es zwar als falsch, den Zölibat allein deswegen als hinfällig darzustellen, weil er manchen nicht nahe genug am Zeitgeist sei. „Gleichwohl sollte sich die Kirche dieser wichtigen Frage, von der auch die Zukunft der Institution abhängen könnte, zuwenden“, sagte Jung der „Rheinischen Post“.

Woelki gegen Lockerung des Zölibats

Der Kölner Erzbischof Rainer Maria Woelki lehnt den Vorschlag ab, auch verheiratete Diakone zu Priestern zu weihen. Eine Lockerung oder Abschaffung des Zölibats sorge auf Dauer nicht für steigende Priesterzahlen, heißt es in einem am Mittwoch veröffentlichten Beitrag des Kardinals für den Bistumssender Domradio. Zudem seien „Männer, die gute und engagierte Diakone sind, nicht automatisch auch zur Ausübung des Priesteramtes geeignet“.

Woelki sieht den Zölibat außerdem ebenso wie die Ehe im Evangelium begründet: „Weil Jesus Christus die Mensch gewordene Liebe Gottes, des Vaters, ist, deshalb haben immer wieder Menschen aus Liebe zu ihm auf die Ehe verzichtet und verzichten auf sie bis heute, um sich ausschließlich an Christus zu binden“, schrieb der Erzbischof. Die Ehelosigkeit des Priesters „sollte nicht in erster Linie aufgrund geringer Nachwuchszahlen über Bord geworfen werden“, sagte er weiter.

SPD-Sprecherin fordert Veränderungen ein

Am Dienstag hatte sich bereits die kirchenpolitische Sprecherin der SPD, Kerstin Griese, in der „Rheinischen Post“ geäußert: „Wer von den islamischen Moscheevereinen und Verbänden verlangt, sich intern nach den Prinzipien unseres Grundgesetzes zu organisieren, darf auch bei der katholischen Kirche Veränderungen einfordern“, erklärte Griese.

Zu ihrer christlichen Überzeugung gehöre, dass Kirche „einladend sein muss und niemanden ausgrenzen darf, auch nicht beim Priesteramt.“

ZdK reagiert auf Priestermangel

Das ZdK hatte angesichts des Priestermangels in der katholischen Kirche für eine Lockerung des Zölibats plädiert. „Wir haben jetzt schon sehr gute und engagierte Diakone – das sind verheiratete Männer. Warum in aller Welt sollen sie nicht zu Priestern geweiht werden?“, sagte ZdK-Präsident Thomas Sternberg der „Augsburger Allgemeinen“.

Wenn der Zölibat ein Hindernis für die Priesterweihe darstelle, müsse er – weil weniger wichtig – gelockert werden. Sternberg sprach sich auch dafür aus, das Diakonat der Frau einzuführen. Im Jahr 2015 ließen sich in Deutschland laut ZdK nur 58 Männer zu Priestern der katholischen Kirche weihen. (jha/epd)

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