NDR-Recherche

Schwarzarbeit und Ausbeutung offenbar Alltag für Flüchtlinge

Dem NDR zufolge arbeiten in Deutschland mindestens 100.000 Flüchtlinge schwarz – oft zu Hungerlöhnen. Und unter miserablen Bedingungen.

Auf legalem Weg finden Flüchtlinge kaum Beschäftigung, darum arbeiten sie häufig schwarz – und werden dabei Opfer von Ausbeutung. Das berichtet der NDR.

Auf legalem Weg finden Flüchtlinge kaum Beschäftigung, darum arbeiten sie häufig schwarz – und werden dabei Opfer von Ausbeutung. Das berichtet der NDR.

Foto: imago stock&people / imago/CommonLens

Hamburg.  Mindestens 100.000 Flüchtlinge sollen derzeit in Deutschland illegal beschäftigt sein, also ohne, dass für sie Steuern und Sozialabgaben abgeführt werden. Das berichtet der Radiosender NDR Info unter Berufung auf eigene Recherchen. Schätzungen zufolge könnten demnach bis zu 50 Prozent der etwa 1,1 Millionen im vergangenen Jahr nach Deutschland Geflüchteten schwarz arbeiten.

Der Radiosender recherchierte nach eigenen Angaben in Hamburg, Niedersachsen, Berlin und Sachsen-Anhalt bei Sozialarbeitern, Flüchtlingshelfern, Wissenschaftlern und schwarz arbeitenden Flüchtlingen.

Oftmals würden Asylbewerber von Besuchern oder von Mitarbeitern von Unterkünften in Schwarzarbeit vermittelt. Im Gegenzug müssten sie einen Großteil ihres Lohns als „Provision“ abgeben. „Viele profitieren von der Not der Flüchtlinge“, zitiert NDR Info Emilia Mitrovic von der Beratungsstelle Migration und Arbeit des Deutschen Gewerkschaftsbundes in Hamburg.

Stundenlohn: 80 Cent

Sozialarbeiter und Flüchtlingshelfer kritisieren im NDR, dass Flüchtlinge in der Schwarzarbeit häufig ausgebeutet würden, da sie auf legalem Weg nur schwer Arbeit finden könnten. Viele müssten aber Geld verdienen, um es nach Hause zu schicken oder Kosten für Schlepper zu bezahlen.

„Ich will eigentlich nicht schwarz arbeiten“, wird ein Mann aus Burkina Faso zitiert, der seit zwei Jahren auf seinen Asylentscheid wartet. „Aber anders finde ich keinen Job.“ Laut Nima K. von der Berliner Willkommensinitiative würde Flüchtlingen teils nur 80 Cent Stundenlohn gezahlt, hinter angemeldeten 400-Euro-Jobs stünde häufig eine illegale Vollzeitbeschäftigung.

Schwarzarbeit oft von Mitarbeitern der Unterkünfte vermittelt

Um Schwarzarbeit zu finden, verlassen laut NDR-Recherchen viele Asylbewerber ihre zugewiesenen Unterkünfte und ziehen zeitweise in größere Städte, wo sie auf Matratzenlagern oder bei Freunden schlafen. Sie arbeiteten dann als Tellerwäscher, Tapezierer, Putzkräfte oder würden Container beladen.

In Schwarzarbeit vermittelt würden die Flüchtlinge oftmals von Besuchern oder sogar von Mitarbeitern der Unterkünfte. Die Polizei im Landkreis Harburg etwa habe gegen den ehemaligen Mitarbeiter einer Gemeinschaftsunterkunft in Neu Wulmstorf ermittelt. Dieser soll laut Polizei im Verdacht stehen, „die Situation von Flüchtlingen ausgenutzt zu haben, um sich an ihnen finanziell zu bereichern“.

Neues Integrationsgesetz soll Abhilfe schaffen

Verlässliche Zahlen zur Schwarzarbeit unter Flüchtlingen gibt es nicht. Laut Zoll würden monatlich bundesweit etwa zehn Fälle aufgedeckt. Schätzungen gehen weit auseinander: Einer Studie der Universitäten Tübingen und Linz zufolge könnten bis zu 30 Prozent der etwa 1,1 Millionen im vergangenen Jahr nach Deutschland Geflüchteten schwarz arbeiten. Flüchtlingshelfer und Sozialarbeiter in Niedersachsen und Berlin geben einen Anteil von 10 bis sogar 50 Prozent an.

Das am 6. August in Kraft getretene neue Integrationsgesetz soll es Asylbewerbern nun leichter machen, auf legalem Weg Arbeit zu finden, so der NDR. Sozialarbeiter und Flüchtlingshelfer sähen das Gesetz als Schritt in die richtige Richtung, gingen aber nicht davon aus, dass es Schwarzarbeit unter Flüchtlingen stark reduzieren wird. (küp)