Kurdenkonflikt

Eskalation in der Türkei – Raketenangriff auf Flughafen

Der militärische Konflikt zwischen türkischer Armee und kurdischen Milizen weitet sich aus. Ein Flughafen wurde mit Raketen beschossen.

Kämpfer der kurdischen YPG-Milizen waren auch am Wochenende das Ziel türkischer Angriffe in Syrien.

Kämpfer der kurdischen YPG-Milizen waren auch am Wochenende das Ziel türkischer Angriffe in Syrien.

Foto: RODI SAID / REUTERS

Istanbul.  Vermutlich militante Kurden haben Medienberichten zufolge den Flughafen in Diyarbakir im Südosten der Türkei mit Raketen angegriffen. Vier Geschosse seien am Samstag kurz vor Mitternacht auf einen Kontrollposten der Polizei abgefeuert worden, meldete die Nachrichtenagentur Dogan.

Der Gouverneur von Diyarbakir, Hüseyin Aksoy, sagte dem Fernsehsender NTV, es gebe keine Opfer. Auch die Flüge von und nach Diyarbakir würden nicht beeinträchtigt. Passagiere und Beschäftigte hätten sich im Inneren des Flughafengebäudes in Sicherheit gebracht, berichtete NTV. Die Raketen seien auf Brachland eingeschlagen. Zu dem Angriff bekannte sich zunächst niemand.

Türkei setzt Luftangriffe in Nordsyrien fort

Die türkische Regierung hat wiederholt Kämpfer der verbotenen Kurdischen Arbeiterpartei PKK für Anschläge im Land verantwortlich gemacht. Diyarbakir ist die größte Stadt im überwiegend von Kurden bewohnten Südosten des Landes.

Die Türkei hatte am Samstag ihre Offensive gegen die Extremistenmiliz Islamischer Staat (IS) und die Kurden in Nordsyrien vorangetrieben. Zwei Kampfflugzeuge vom Typ F-16 haben nach Informationen aus türkischen Sicherheitskreisen Stellungen der syrischen Kurdenmiliz YPG angegriffen, die von den USA unterstützt wird. Außerdem seien sechs IS-Einrichtungen angegriffen worden.

Erdogan: Angriffe gelten YPG-Einheiten und IS-Stellungen

Auch am Sonntag gingen die Attacken weiter. Türkische Kampfflugzeuge und Artillerie griffen Sicherheitskreisen zufolge erneut im Norden Syriens mutmaßliche YPG-Stellungen an. Bei zwei Luftangriffen kamen nach Angaben von Menschenrechtlern mindestens 35 Zivilisten ums Leben. Weitere 75 Menschen seien bei zwei Bombardements verletzt worden, berichtete die Syrische Beobachtungsstelle für Menschenrechte weiter.

Ein Angriff auf das Dorf Dschub al-Kusa nahe der syrisch-türkischen Grenze tötete demnach mindestens 20 Unbeteiligte. 50 weitere seien verletzt worden. In einer zweiten Attacke hätten türkische Kampfflugzeuge einen Bauernhof südlich der Grenzstadt Dscharablus getroffen. Dort hätten Familien Unterschlupf vor den Kämpfen in der Region gesucht. Wenigstens 15 Menschen seien dort gestorben, 25 weitere verletzt worden.

Die türkische Armee war in dieser Woche nach Nordsyrien vorgedrungen. Präsident Recep Tayyip Erdogan hatte deutlich gemacht, der Einmarsch diene sowohl dem Ziel, den IS zu bekämpfen, als auch die syrischen Kurden zurückzudrängen. Damit soll ein zusammenhängendes kurdisches Gebiet in Nordsyrien verhindert werden. Die Regierung in Ankara fürchtet, dass ein Kurdenstaat entsteht und die verbotene PKK im eigenen Land Aufwind bekommt. (rtr/dpa)