Politik

Die Piraten befinden sich auf einer späten Sinnsuche

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Egbert Niessler
Wofür sollen sie nun eigentlich stehen?

Wofür sollen sie nun eigentlich stehen?

Foto: dpa

Protestwähler sind zu einer anderen Partei weitergezogen. Die Piraten haben sich in die Bedeutungslosigkeit manövriert. Ein Kommentar

Vor fünf Jahren begann der kometen-hafte Aufstieg der Piratenpartei. Mit 8,9 Prozent der Stimmen zogen sie ins Berliner Abgeordnetenhaus ein. Mehrere Landtage folgten. Dass ihnen in drei Wochen in der Hauptstadt wieder ein Wahlerfolg winken könnte, scheint ausgeschlossen. Die Partei dümpelt hier in den Umfragen bei drei Prozent. In den meisten anderen Bundesländern liegt sie im demoskopisch nicht mehr messbaren Bereich.

Jene, die ausgezogen waren, die Politik quasi neu zu erfinden, sie ins digitale Zeitalter zu übersetzen, haben sich rettungslos übernommen – und selbst zerlegt. Vor allem auch mit den Mitteln der digitalen Transparenz. Über die Bundeskanzlerin haben sie gelacht, als sie beim Besuch des US-Präsidenten Barack Obama im Juni 2013 das Internet als Neuland bezeichnet hat. Um es dann selbst amateurhaft dazu zu benutzen, die wenigen befähigten Führungskräfte in ihren Reihen mit permanenten Shitstorms zu zermürben.

Gute Ideen reichen nicht

Und sie haben übersehen, dass der Mensch ein analoges Wesen bleibt, das auch Verlässlichkeit und Diskretion schätzt. Und dass bei aller berechtigten Kritik an den etablierten Parteien Politik eben doch ein komplexeres Geschäft ist, das Kompromisse erfordert und nicht nur schnurgerade Wege kennt. Gute Ideen haben allein reicht nicht. Man braucht auch das Organisationstalent und das Stehvermögen, sie umzusetzen.

Nun sitzen die Piraten in Wolfenbüttel und fragen sich zu Beginn ihres Parteitages, wofür sie eigentlich stehen. Vermutlich für einen weiteren gescheiterten Versuch, einmal alles ganz anders machen zu wollen. Das stets vorhandene Potenzial an Protestwählern hat andere Anbieter gefunden, namentlich die AfD. Bürgerrechte, Tier- und Naturschutz und was den Piraten sonst noch alles wichtig ist findet sich auch in den Programmen der Etablierten. Und Projekte wie die liquide Demokratie, bleiben Nischenprodukte. Piraten ahoi.

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