Montblanc-Affäre

Pofalla griff laut Bericht bei Luxusfüllern am meisten zu

In der Affäre um Luxusfüller für Bundestagsabgeordnete hat die „Bild“ Namen veröffentlicht. Ganz oben auf der Liste: Ronald Pofalla.

Der ehemalige Kanzleramtschef Ronald Pofalla ist einem Bericht zufolge bei den Kosten für sein Büromaterial nicht unbedingt sparsam gewesen.

Der ehemalige Kanzleramtschef Ronald Pofalla ist einem Bericht zufolge bei den Kosten für sein Büromaterial nicht unbedingt sparsam gewesen.

Foto: imago/Christian Schroedter

Berlin.  „Die müssen doch einen Knall haben!“, hatte SPD-Chef Sigmar Gabriel unserer Redaktion gesagt: Bundestagsabgeordnete hatten Füller und Kulis von Montblanc für insgesamt fast 70.000 Euro bestellt – und ein früherer Kanzleramtschef war ganz vorne dabei. Nach Recherchen der „Bild“-Zeitung hat der inzwischen zur Deutschen Bahn gewechselte Ronald Pofalla fünf Füller für zusammen mehr als 3000 Euro bestellt. Für edles Büromaterial an die Adresse des früheren CDU-Politikers wurden dem Bericht zufolge in den Jahren 2006 bis 2009 14.722,32 Euro Steuergeld fällig.

So habe Pofalla auch zwei Tintenfässer aus Bleikristall mit vergoldeten Beschlägen zum Stückpreis von 400,86 Euro geordert sowie zwei Brieföffner für je 228,45 Euro. Bei elf bestellten Kugelschreibern kostete der günstigste etwas mehr als 100 Euro, der teuerste 474,79.

Liste sollte unter Verschluss bleiben

Die „Bild“ ist nach ihren Angaben an eine Liste aller Bestellungen von Pofalla gelangt. Das Blatt veröffentlichte aber auch eine Übersicht aller Bestellungen von Füllern und spricht von der „Raffke-Liste“ (Bild+-Inhalt). Nach Spitzenreiter Pofalla liegt die heutige brandenburgische Sozialministerin Diana Golze (Die Linke) auf dem zweiten Platz – Füllfederhalter und Etuis für 2891,97 Euro. Sie sagte der Zeitung, sie selbst habe von der Bestellung nichts gewusst. Die Bestellungen übernehmen in der Regel Mitarbeiter der Abgeordneten. Pofalla äußerte sich nicht.

Das Büro des Bundestagspräsident Nobert Lammert, der die Liste unter Verschluss halten will, hat nach „Bild“-Informationen zwischen 2006 und 2009 neun Schreibgeräte für mehr als 1350 Euro geordert. Lammert hatte in der vergangenen Woche die Bestellung eines Füllers eingeräumt.

Um die Veröffentlichung der Namen streitet sich die „Bild“-Zeitung seit Jahren mit dem Bundestag vor Gericht. Ein presserechtliches Verfahren ist derzeit beim Oberverwaltungsgericht Berlin-Brandenburg anhängig. Wann eine Entscheidung ansteht, konnte eine Gerichtssprecherin am Mittwoch nicht sagen. Die jetzt veröffentlichte Liste recherchierte „Bild“ nach eigenen Angaben selbst. (law)

© Berliner Morgenpost 2018 – Alle Rechte vorbehalten.