Gesellschaft

Warum Schwimmen wichtig für die Integration ist

Alle Kinder sollten sich im Wasser bewegen können,meint Joachim Fahrun. Damit könnte gesellschaftliche Ungleichheit verschwinden.

Kinder schwimmen im Schwimmbad Fischerinsel - Schwimmkurz Seepferdchen----ACHTUNG KEINE KINDERNAMEN

Kinder schwimmen im Schwimmbad Fischerinsel - Schwimmkurz Seepferdchen----ACHTUNG KEINE KINDERNAMEN

Foto: Joerg Krauthoefer

Natürlich kann man auch leben, ohne schwimmen zu können. Nur sollte man sich dann besser vom Wasser fernhalten, zumal von Seen und Flüssen oder auch von den tieferen Becken im Freibad. Für Nichtschwimmer bedeutet das aber einen enormen Verlust an Möglichkeiten und Lebensqualität. Zumal in einer Region wie Berlin-Brandenburg, wo das erquickende Bad in sauberen Naturgewässern zu den schönsten und billigsten Vergnügen gehört, die es gibt.

Die Statistik über Schwimmer und Nichtschwimmer offenbart denn auch nicht nur die Schwierigkeiten einer Sportart in Deutschland, deren Spitzenvertreter gerade in Rio hinter den Erwartungen blieben. Vor allem belegen die Unterschiede zwischen dem bürgerlichen Pankow und dem proletarisch-migrantischen Neukölln wieder die Integrationsprobleme, die unsere Stadt spalten.

In der Kultur von arabisch oder türkisch geprägten Familien mag es eher absurd anmuten, sich in ein offenes Wasser zu stürzen. Manchen Muslimen mag die damit verbundene Entblößung des Körpers trotz Burkini unangenehm und unangemessen erscheinen. Und auch so manche deutsche Familie spart sich mangels Geld die gestiegenen Eintrittspreise für Berliner Bäder oder das S-Bahnticket zum Badesee.

Der verpflichtende Schwimmunterricht in Berlins dritten Klassen kann die in der früheren Kindheit entstandenen Defizite dann offensichtlich nicht ausgleichen. Zu oft fallen die Stunden aus, zu schlecht sind die Vorkenntnisse vieler Kinder, zu selten sind qualifizierte Rettungsschwimmer am Beckenrand.

Dabei wäre Schwimmen für alle ein interessantes Integrationsziel. Wenn alle kleinen Neuköllner so gut schwimmen könnten wie ihre Pankower Altersgenossen, wäre ein Stück gesellschaftlicher Ungleichheit verschwunden, und den Jugendlichen öffneten sich weitere Türen zur Teilhabe. Und wenn es nur der gemeinsame Besuch im Freibad oder am Badesee ist.