Syrienkrieg

Über 30 Tote bei Luftangriffen auf nordsyrische Stadt Aleppo

Neue Eskalation statt Waffenpause im Syrienkrieg: Erstmals setzt Moskau auch Langstreckenbomber ein. Beobachter berichten von 30 Toten.

Drei solcher Langstreckenbomber vom Typ Tu-22M3 hat Russland in den Iran verlegt. Von dort aus starten die Jets zu Luftangriffen in Syrien.

Drei solcher Langstreckenbomber vom Typ Tu-22M3 hat Russland in den Iran verlegt. Von dort aus starten die Jets zu Luftangriffen in Syrien.

Foto: REUTERS TV / REUTERS

Moskau/Damaskus/Aleppo.  Bei heftigen Luftangriffen auf Rebellengebiete in der nordsyrischen Stadt Aleppo sind Aktivisten zufolge mehr als 30 Menschen ums Leben gekommen. Unter den Opfern seien 19 Zivilisten, berichtete die Syrische Beobachtungsstelle für Menschenrechte am Dienstag. Demnach starben auch zwölf Rebellen. Die Kämpfer seien bei Angriffen russischer Jets auf eine Versorgungsroute der Regimegegner im Süden der umkämpften Stadt getötet worden.

Der Aktivist Omar al-Arab erklärte, die Angriffe auf Aleppo seien ungewöhnlich heftig gewesen. Das deute darauf hin, dass das Regime und seine Verbündeten eine neue Offensive planten.

Aleppo ist die umkämpfteste Stadt im syrischen Bürgerkrieg. Rebellen kontrollieren den Osten der Metropole, regimetreue Kräfte den Westen. Im Juli war es Anhängern der syrischen Regierung gelungen, die Rebellengebiete von der Außenwelt abzuschneiden. Anfang August konnten Regimegegner jedoch eine neue Versorgungsroute freikämpfen.

Moskau verstärkt Luftangriffe in Syrien

Russland hat für den Einsatz im Syrienkrieg erstmals Langstreckenbomber in den Iran verlegt. Mehrere Kampfflugzeuge des Typs Tu-22M3 hätten am Dienstag von der Luftwaffenbasis Hamadan aus Angriffe in Syrien geflogen, teilte das Verteidigungsministerium in Moskau mit.

Zuvor hatte der TV-Sender Rossija-24 unter Berufung auf iranische und arabische Medien von der Verlegung der Flugzeuge berichtet. Demnach sollen mindestens drei Tu-22M3-Bomber in der Basis im Westen des Irans stationiert worden sein. Das Verteidigungsministerium nannte zunächst keine Details. Russland und der Iran gelten als die engsten Verbündeten der syrischen Regierung von Präsident Assad.

Rotes Kreuz richtet dramatischen Appell an Kriegsparteien

Der Einsatz der Langstreckenbomber bedeutet einen weiteren Rückschlag für die internationalen Bemühungen um einen Waffenstillstand in Syrien. Zuletzt hatte Bundesaußenminister Frank-Walter Steinmeier (SPD) von seinem russischen Amtskollegen Sergej Lawrow gefordert, zumindest die Angriffe auf die seit Monaten belagerte Stadt Aleppo tageweise auszusetzen, um so medizinische Hilfe für die eingeschlossenen Menschen leisten zu können. Lawrow hatte dies abgelehnt.

Auch das Rote Kreuz hatte die Kriegsparteien in Aleppo aufgerufen, Hilfsorganisationen den Zugang zu den verzweifelten Menschen zu ermöglichen. Der Kampf um Aleppo sei „einer der zerstörerischsten Konflikte der Neuzeit“, erklärte der Präsident des Internationalen Komitees vom Roten Kreuz, Peter Maurer, am Montagabend in Genf in einem dramatischen Appell. Zehntausende seien in der Stadt eingeschlossen und ohne Hilfe. „Die Kämpfe in Aleppo kosten zu viele Menschenleben“, sagte Maurer.

Menschenrechtler fordern Verzicht auf Brandbomben

Die Menschenrechtsorganisation Human Rights Watch (HRW) hat der syrischen Regierung und Russland den Einsatz von Brandbomben im Syrienkrieg vorgeworfen. In den vergangenen Wochen seien entsprechende Waffen mindestens 18 Mal unter anderem in Rebellengebieten in den Städten Aleppo und Idlib eingesetzt worden, berichtete HRW am Dienstag. Darauf weise die Untersuchung von Fotos und Videos von Angriffen und Überresten der Bomben hin. Brandbomben lösen durch chemische Reaktionen Flammen mit hohen Temperaturen aus. Die Feuer sind schwer zu löschen und verursachen schwere Verbrennungen.

China will enger mit syrischer Armee zusammenarbeiten

China will die militärische Zusammenarbeit mit dem Bürgerkriegsland Syrien ausbauen. Die Armeen beider Staaten hätten traditionell freundschaftliche Beziehungen, sagte Guan Youfai von der Zentralen Militärkommission bei einem Besuch in Damaskus, wie die amtliche Nachrichtenagentur Xinhua am Dienstag berichtete. Demnach traf der für internationale Beziehungen zuständige Offizier den syrischen Verteidigungsminister Fahad Dschassim al-Freidsch. Die Armee der Volksrepublik wolle den Austausch und die Zusammenarbeit mit der syrischen Armee vertiefen, wurde Guan zitiert. Demnach einigten sich beide Seiten auf die Lieferung von Hilfsgütern durch die Streitkräfte der Volksrepublik. Einzelheiten wurden nicht bekannt.

China überlässt die Diplomatie im Nahen Osten meistens den USA, Großbritannien, Frankreich und Russland, die ebenfalls im UN-Sicherheitsrat vertreten sind. Die Staatsführung in Peking hat aber bereits Diplomaten entsandt, um zwischen der Regierung in Damaskus und Vertretern der Opposition zu vermitteln. Mehr als fünf Jahre nach Beginn des Bürgerkrieges stehen sich die Konfliktparteien weiter unversöhnlich gegenüber. Bei den Kämpfen sind Hunderttausende ums Leben gekommen. Millionen sind auf der Flucht. (dpa/rtr)