Politik

Der Respekt vor den Ermittlern

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Andreas Abel

Was im Kampf gegen die Organisierte Kriminalität zählt

In der öffentlichen Wahrnehmung dominieren Mitglieder arabischer Großfamilien die Organisierte Kriminalität in Berlin. Das ist, wie die meisten Pauschalurteile, so nicht richtig; völlig falsch ist es indes auch nicht. Die Polizei hat es schwer, gegen diese Strukturen anzukämpfen und die Mauer des Schweigens zu durchbrechen, wenn es gilt, gegen solche Straftäter auszusagen. Deshalb ist es ein vielversprechender Ansatz, gegen Intensivtäter aus dem Bereich des Organisierten Verbrechens mit gezielten Schwerpunktermittlungen vorzugehen. Das ist mühsam und lässt praktisch nie schnelle Ermittlungserfolge zu, dafür ist es nachhaltig.

Wenn es gelingt, ein hochrangiges kriminelles Mitglied aus einem arabischen Clan für mehrere Jahre hinter Gitter zu bringen und damit aus der Szene und den Strukturen der Organisation herauszubrechen, dann verschafft sich die Polizei auch in diesen Kreisen Respekt. Das gelingt ihr sonst eher selten. Eine solche Verurteilung erzielt also eine Breitenwirkung weit über den betroffenen Delinquenten hinaus. Der Preis ist hoch: Sechs bis acht Ermittler des Landeskriminalamtes beschäftigen sich ein halbes Jahr ausschließlich damit, einen solchen „großen Fisch“ zur Strecke zu bringen. Das muss natürlich so lautlos wie möglich erfolgen, deshalb ist ein Pauschalurteil völlig falsch: Dass die Polizei sich ein, zwei spektakuläre Einsätze im Jahr gönnt und sonst nichts gegen Organisierte Kriminalität tut.

Der Kampf gegen das Organisierte Verbrechen ist aber nicht allein eine Aufgabe der Polizei. Die Justiz ist ebenso gefordert – ebenso wie viele andere, wenn es etwa darum geht, zu verhindern, dass junge Menschen in eine kriminelle Karriere hineinrutschen. Da sind Netzwerke wichtig, an denen etwa auch Jugendhilfe und Schulen beteiligt sind. Ein Modellprojekt in Neukölln, die Staatsanwaltschaft für den Ort, zeigt, dass Erfolge möglich sind: Aber auch hier gilt: Schnell, schnell geht nicht.

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