Islamismus

Boko Haram bietet Freilassung von Chibok-Mädchen an

| Lesedauer: 3 Minuten
#BringBackOurGirls-Aktivisten während einer Demonstration im Mai 2016. Das Banner feiert die Freilassung einiger Mädchen, doch noch immer befinden sich mehr als 200 Schülerinnen in der Gefangenschaft von Boko Haram.

#BringBackOurGirls-Aktivisten während einer Demonstration im Mai 2016. Das Banner feiert die Freilassung einiger Mädchen, doch noch immer befinden sich mehr als 200 Schülerinnen in der Gefangenschaft von Boko Haram.

Foto: © Afolabi Sotunde / Reuters / REUTERS

Die Terrorgruppe Boko Haram will mit den entführten Chibok-Mädchen die Regierung erpressen. In einem Video macht sie ein „Angebot“.

Bauchi.  Die nigerianische Islamistengruppe Boko Haram hat ein Video veröffentlicht, das rund 50 der vor mehr als zwei Jahren verschleppten Mädchen zeigen soll. Der Film soll offenbar dazu dienen, die Regierung unter Druck zu setzen. Die Botschaft: Wenn Boko-Haram-Kämpfer freigelassen werden, kommen auch die entführten Mädchen frei.

Eines von ihnen übermittelt vor der Kamera die Bedingungen der Islamisten für die Freilassung der Entführten. "Ich möchte meinen Eltern und der nigerianischen Regierung sagen, dass die Regierung bitte Boko-Haram-Mitglieder aus der Haft entlassen soll, damit wir auch freigelassen werden können". Hinter ihr und den anderen Mädchen steht ein bewaffneter vermummter Mann in Kampfmontur. "Sie sollten wissen, dass Ihre Kinder sich noch in unseren Händen befinden. Die Regierung soll unsere inhaftierten Brüder sofort freilassen", sagt er.

Das Video wurde bei Youtube von Quellen hochgeladen, die der Terrorgruppe nahestehen. Es wird von der auf die Beobachtung von Terrorgruppen spezialisierte „Site Intel Group“ als authentisch bewertet. Zum ersten Mal stellt Boko Haram darin Bedingungen für die Freilassung der Schulmädchen.

Boko Haram hatte im April 2014 insgesamt 276 Mädchen aus einem Internat im nordöstlichen Bundesstaat Borno verschleppt. Dutzende konnten fliehen, doch mehr als 200 junge Frauen werden seitdem vermisst. Ein Mädchen war kürzlich in einem Wald gefunden worden.

Angeblich 40 Mädchen verheiratet

Trotz Bemühungen der nigerianischen Regierung und einer Kampagne von internationalen Organisationen, die von vielen Prominenten wie Michelle Obama unterstützt wird, konnten die Mädchen nicht gefunden und befreit werden.

In dem Video erklärt der Mann weiter, rund 40 Mädchen seien verheiratet worden. Andere seien bei Bombenangriffen der Regierung getötet worden. Etwa 50 Mädchen sind in dem neun Minuten langen Video zu sehen, alle tragen Kopftücher, einige weinen. Ein Mädchen hält ein Baby im Arm. Auch Leichen sind zu sehen, sie sollen bei Luftangriffen der Regierung getötete Mädchen zeigen.

Aisha Yesufu, eine der Organisatorinnen der „Bring-Back-Our-Girls“-Kampagne sagte der BBC: „Der Zustand der Mädchen sollte jeden verstören“. Yesufu wirft der nigerianischen Regierung Versagen vor.

Nigeria weist Verantwortung zurück

Menschenrechtsorganisationen sowie Mädchen, denen die Flucht gelungen war, berichteten, sie seien gezwungen worden, zum Islam zu konvertieren. Viele der Mädchen würden als Sexsklavinnen missbraucht, andere zwangsverheiratet. Einige Mädchen würden gezwungen, Selbstmordattentate auszuführen.

Das nigerianische Militär weist Vorwürfe zurück, für den Tod der Mädchen verantwortlich zu sein. Man habe die Lage im Griff und überprüfe die Echtheit des Videos, hieß es. Mit Hilfe von Nachbarstaaten haben die Regierungstruppen große Teile der einst von Boko Haram kontrollierten Gebiete zurückerobert. Die Miliz kämpft seit nunmehr sieben Jahren für einen islamistischen Staat im Norden des Landes. Sie hat rund 15.000 Menschen getötet und Hunderte weitere verschleppt. 2,6 Millionen Menschen wurden durch die Gewalt im Norden Nigerias aus ihrer Heimat vertrieben. (rtr/aba)

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