Kundgebung

Zeichen gegen Terror: Tschechische Moslems besuchen Messe

Eine Kundgebung von Muslimen gegen Terror in Prag setzt sich in einer Kirche fort. Die Demo bietet dabei sehr ungewöhnliche Bilder.

Tschechische Muslime bilden einen Ring um eine katholische Kirche in Prag.

Tschechische Muslime bilden einen Ring um eine katholische Kirche in Prag.

Foto: DAVID W CERNY / REUTERS

Prag.  Erst stellten sie sich mit Schildern und Plakaten wie schützend vor die Herz-Jesu-Kirche im Stadtteil Vinohrady, dann besuchten sie mit Christen die Messe: In Prag haben etwa 80 Muslime gegen Terrorismus demonstriert und am Gottesdienst in der katholischen Kirche teilgenommen. Vor der Kirche trugen die Demonstranten Transparente mit der tschechischen Flagge und Aufdrucken wie „Stopp Terrorismus“ und „Nicht in meinem Namen“.

„Ich verstehe, dass die Tschechen Angst haben, und das ist der Grund, warum wir hier sind – um zu demonstrieren, dass wir Terrorismus verurteilen, und damit diese Nachricht auch gehört wird“, sagte die Konvertitin und Mitorganisatorin Romana Červenková der tschechischen Nachrichtenagentur CTK. Die Teilnehmer erklärten ihre Solidarität mit den Opfern terroristischer Anschläge, im Gottesdienst wurde auch des von IS-Terroristen getöteten französischen Priesters gedacht. Der „Islamische Staat“, das seien frustrierte vorbestrafte junge Männer, die den Islam nicht verstehen würden, erklärte ein Vertreter der muslimischen Gemeinde von Prag. Er rief in Erinnerung, dass die meisten Opfer des IS selbst Muslime sind.

Theologische Bedenken vor Messe

Die Muslime hatten nach Berichten lokaler Medien nur mit Schwierigkeiten eine Kirchengemeinde gefunden, die bereit war, den Gottesdienst mit den Muslimen zu feiern. Das Erzbistum Prag ließ demnach erklären, die Kirche stehe allen Menschen guten Willens offen, gemeinsame Messen von Christen und Moslems seien aus theologischen Gründen aber nicht möglich.

Gegen die Kundgebung der Muslime demonstrierten einige Menschen erregt mit anti-islamischen Sprüchen, „Fanatiker“-Sprechchören und dem Slogan der Organisation „Wir sind hier Zuhause“, wie ein Video der Nachrichtenseite novinky.cz zeigt. Auf der Facebookseite fiel den Rechtspopulisten nicht viel mehr ein, als zu kommentieren: „In Saudi-Arabien bekämen sie für das Betreten der Kirche 200 Peitschenhiebe.“ (law)