Kairo

Ärzte in Aleppo appellieren an Obama: Eingreifen!

Für die Bewohner der einstigen syrischen Metropole wird die Lage immer bedrohlicher. Mediziner rufen um Hilfe

Kairo. Die Lage der Menschen in Aleppo wird immer dramatischer. Seit Tagen gibt es kein fließendes Wasser mehr, weil bei den schweren Kämpfen ein Kraftwerk beschädigt wurde. Kranke und Verwundete können kaum noch medizinisch versorgt werden. „Die Zeit drängt“, sagte der UN-Sondergesandte Staffan de Mistura in Genf. Die Versorgung der leidgeprüften Bevölkerung sei völlig unzureichend. „Zivilisten auf beiden Seiten sind in Gefahr.“

In dem von Rebellen kontrollierten Ostteil ging das Bombardement aus der Luft auch am Donnerstag rund um die Uhr weiter, obwohl das russische Oberkommando einen dreistündigen Waffenstillstand ausgerufen hatte. Nach dem Willen Moskaus soll dieser künftig jeden Tag von zehn bis 13 Uhr gelten, damit Transporte mit Lebensmitteln und Medikamenten in die Stadt gelangen können. UN-Nothilfekoordinator Stephen O’Brien wies dies als unzureichend zurück. Eine dreistündige Waffenruhe reiche nicht aus, um der Bevölkerung zu helfen. Feuerpausen von mindestens 48 Stunden seien nötig, um Hilfsgüter auf Lkw zu laden, diese in die Stadt zu transportieren und Menschen umgekehrt in Sicherheit zu bringen. Auch im Westteil der Stadt, der unter der Kon­trolle des Regimes steht, machten sich unter den 1,2 Millionen Einwohnern Panik und Angst breit. Denn die Kämpfe verlagern sich jetzt auch in ihre bisher verschonten Wohnviertel.

Unterdessen wandten sich 15 der 35 noch im Ostteil Aleppos verbliebenen Ärzte mit einem bewegenden Appell an US-Präsident Barack Obama und flehten ihn an, zum Schutz der Zivilbevölkerung in das Geschehen einzugreifen. Die Lage für die 250.000 Bewohner könne aussichtslos werden, wenn es den Regimetruppen gelänge, den Belagerungsring wieder zu schließen. „Wenn kein permanenter Korridor geöffnet wird, ist es nur eine Frage der Zeit, bis sich Hunger ausbreitet und die Vorräte der Krankenhäuser komplett zur Neige gehen“, schrieben die Mediziner und warfen den USA Untätigkeit vor. „Wir brauchen keine Tränen, kein Mitleid und keine Gebete“, heißt es in dem Brief an Obama: „Alles, was wir brauchen, sind Ihre Taten.“