Riad/Berlin

Saudi-Arabien und der „Islamische Staat“

Riad/Berlin.  Die Attentäter von Würzburg und Ansbach hatten kurz vor ihren Anschlägen noch Kontakt zu Hintermännern des „Islamischen Staates“ (IS) in Saudi-Arabien. Nach Erkenntnissen der deutschen Ermittlungsbehörden, über die der „Spiegel“ berichtet, chatteten sie über ihre Terrorpläne. Saudi-Arabien hat Deutschland Hilfe bei der Aufklärung der Anschläge von Würzburg und Ansbach zugesagt.

Es stellt sich die Frage: Welche Rolle spielt Saudi-Arabien im Kampf gegen den Terror? Fest steht: Sie ist ambivalent und undurchsichtig.

Einerseits ist das Königreich Teil der internationalen Allianz gegen den IS und kämpft gegen die Dschihadisten in Syrien und im Irak. Das Land ist seit 1945 ein enger Verbündeter Washingtons, es geht um Öl und um Einfluss in der Region. Wie wichtig die Beziehungen sind, zeigt ein Beispiel aus der jüngsten Vergangenheit: Anfang 2015 reiste US-Präsident Barack Obama mit Außenminister John Kerry, CIA-Chef John O. Brennan und vielen Spitzenpolitikern nach Riad, um Gespräche mit dem neuen König Salman zu führen. Und auch Deutschland pflegt gute Beziehungen zum Königreich. Wichtige Bundesminister sehen das Land als Stabilitätsanker in einer von Krisen geplagten Region.

Andererseits gibt es in Saudi-Arabien viele Sympathisanten des islamischen Terrors. Reiche Gönner aus dem Wüstenstaat finanzierten den IS in seinen Anfangsjahren – laut OECD-Geldwäscheexperten geht Riad aber mittlerweile rigoros gegen diese Spender vor. Zudem sollen 2500 saudische Staatsangehörige für die IS-Miliz in Syrien und im Irak kämpfen – mehr als aus jedem anderen arabischen Land.

Riad liegt im Fadenkreuz des islamistischen Terrors

Enge Verbindungen von islamischen Terroristen zu Saudi-Arabien gibt es schon länger. So kamen 15 der 19 Attentäter des 11. September aus dem Königreich. Auch Al-Qaida-Chef Osama Bin Laden wurde in dem Wüstenland geboren. Nach einem vor Kurzem veröffentlichen Bericht der 9/11-Kommission ist es sehr wahrscheinlich, dass die Attentäter Geld aus Saudi-Arabien bekommen hatten – vielleicht sogar von Personen, die in Verbindung zur saudischen Regierung standen.

Doch das heißt nicht, dass Saudi-Arabien verschont wird. Das Land liegt im Fadenkreuz des islamischen Terrors. Immer wieder verübt der IS Terroranschläge, zuletzt in der Prophetenmoschee in Medina. Es gab mehrere Tote und Verletzte. Die Attentate treffen oft Moscheen der Schiiten in der ölreichen Ostprovinz. Schon in der ersten Ausgabe des IS-Propagandamagazins „Dabiq“ gab es einen langen Artikel über die Destabilisierung und Eroberung von Saudi-Arabien. Der IS lehnt ein Königreich als unislamisch ab.

Riad verhängt mittlerweile harte Strafen gegen Dschihadisten. So war die Hinrichtung von mehr als 40 angeblichen IS-Mitgliedern Anfang des Jahres auch als Botschaft zu verstehen: Wir meinen es ernst.