Terroranschläge

Wer steuerte die Attentäter von Würzburg und Ansbach?

| Lesedauer: 3 Minuten
Beate Kranz
Die Ermittler der Polizei untersuchen nach dem Bombenanschlag in Ansbach den Tatort.

Die Ermittler der Polizei untersuchen nach dem Bombenanschlag in Ansbach den Tatort.

Foto: MICHAELA REHLE / REUTERS

Nach dem Terror in Würzburg und Ansbach bekommt Deutschland besondere Fahndungshilfe. Saudi-Arabien hat seine Unterstützung angeboten.

Berlin.  Saudi-Arabien will Deutschland bei der Suche nach möglichen Hintermännern der Attentate von Würzburg und Ansbach unterstützen. Dazu gibt es bereits Kontakt mit deutschen Stellen, berichtet der „Spiegel“ unter Berufung auf einen ranghohen Regierungsmitarbeiter in Riad. Mit dem Angebot reagiert die Regierung auf Erkenntnisse, wonach die Attentäter bis kurz vor den Anschlägen über einen Chat im Internet engen Kontakt zu möglichen Hintermännern von der Terrormiliz „Islamischer Staat“ (IS) aus Saudi-Arabien gehabt haben sollen.

Chatspuren, die im Internet rekonstruiert wurden, lassen vermuten, dass die beiden Attentäter in Deutschland von Unbekannten nicht nur angestiftet, sondern regelrecht bis zu den Taten angeleitet worden sind. Die jungen Männer standen auch über mehrere Telefonnummern in Kontakt mit mutmaßlichen Mitgliedern der Terrormiliz IS – vermutlich in Saudi-Arabien.

So soll der minderjährige Flüchtling Riaz A., der in einem Regionalzug bei Würzburg mit einer Axt und einem Messer am 18. Juli fünf Menschen attackierte, seine Tat einem Kontaktmann angekündigt haben. „Hör Dir eine wichtige Sache an. Ich werde heute in Deutschland mit einer Axt einen Anschlag begehen“, zitiert die „Süddeutsche Zeitung“ aus dem Gespräch. Doch dieses Vorgehen reichte dem Gegenüber offenbar nicht und er stachelte ihn zu einem noch brutalerem Vorgehen an: „Bruder, wäre es nicht besser, es mit einem Auto durchzuführen? So wird die ganze Welt erneut aufgewühlt werden“, verlief der Dialog weiter. Doch der minderjährige Flüchtling antwortete, dass er nicht Auto fahren könne. „Du solltest es lernen“, schrieb der Unbekannte, „der Schaden wäre auch erheblich höher.“ Kurz vor dem Attentat teilte Riaz A. dann mit: „Ich warte jetzt auf den Zug.“ Nach dem Attentat wurde er von der Polizei erschossen.

Fahndungshilfe durch Saudi-Arabien wird begrüßt

Auch der 27-jährige Flüchtling Mohammed D. aus Syrien, der am 24. Juli vor einem Weinlokal in Ansbach eine Rucksackbombe zündete, stand bis kurz vor der Tat in Kontakt mit einem Mittelsmann. Da der Syrer keine Eintrittskarte für ein Konzert hatte, wurde ihm geraten, seinen Zielort zu ändern. „Vergiss das Fest und geh zum Restaurant.“ Dann feuerte er ihn gegen seine Zweifel weiter an: „Vertrau Gott und lauf zum Restaurant los.“ Der Flüchtling folgte der Anweisung. Seine Bombe verletzte 15 Menschen und tötet ihn selbst.

Der Vorsitzende der Deutschen Polizeigewerkschaft, Rainer Wendt, begrüßt die Fahndungshilfe durch Saudi-Arabien: „Wir sollten die Hilfe annehmen. Es wäre fahrlässig, darauf zu verzichten, wenn dadurch Hintergründe der Attentate erhellt und möglicherweise weitere Hintermänner entdeckt werden können“, sagte Wendt unserer Redaktion. „Allerdings müssen wir die Informationen, die wir bekommen, sorgfältig prüfen.“ Generell sollte die Fahndung der Polizei im Internet rund um die Uhr ausgebaut werden, so Wendt: „Das Internet ist nicht nur ein fantastisches Medium, sondern auch ein großer Tatort für Kriminelle. Die Polizei darf dort nicht nur zu Bürodienstzeiten präsent sein.“

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