US-Wahlkampf

Trump und Putin – Beginn einer wunderbaren Freundschaft?

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Dirk Hautkapp

Foto: dpa Picture-Alliance / Mindaugas Kulbis / picture alliance / AP Photo

Donald Trump und Wladimir Putin verbindet nicht nur der (Wahl-)Kampf gegen Hillary Clinton. Sie sind machtbewusste Gleichgesinnte.

Washington.  Zwei gegen eine ist feige. Und Donald Trump und Wladimir Putin gemeinsam gegen Hillary Clinton ist absurd. Wirklich?

Seit die Bundespolizei FBI die Vermutung geäußert hat, dass russische Computer-Hacker sensible Datenbestände der Demokraten erbeutet und zum Wohlgefallen Trumps damit maximales Aufsehen erregt haben, wird im amerikanischen Präsidentschaftswahlkampf ernsthaft darüber diskutiert. Hat der Republikaner den russischen Präsidenten als informellen Wahlkampfhelfer gegen Clinton an seiner Seite?

Als unstreitig gilt, dass Moskaus Sympathien vor dem Wahltermin in den Vereinigten Staaten am 8. November klar verteilt sind. Hillary Clinton hatte als Außenministerin 2011 die Lauterkeit der russischen Wahlen angezweifelt. Putins verdeckt inszenierten Expansionsdrang auf der Krim rückte sie später in die Nähe von Hitler-Methoden. Über die Macho-Posen des angelegentlich oben ohne reitenden Staatenlenkers verdrehte sie nur die Augen.

„Amerika zuerst“ trifft „Russland den Russen“

Mit Trump („Amerika zuerst“) glaubt Putin („Russland den Russen“) einen ebenso nationalistisch gestimmten, machtbewussten Gleichgesinnten gefunden zu haben, der aus seinem eigenen Interesse an Russland nie ein Hehl gemacht hat. Schon zu Sowjetzeiten bewarb sich der Immobilienmogul darum, im Herzen von Moskau einen Luxus-Wolkenkratzer zu bauen. Bisher ohne Erfolg. Zuletzt suchte Trump 2013 die Nähe des Kreml, als er den damals ihm gehörenden „Miss Universe“-Schönheitswettbewerb für knapp 20 Millionen Dollar in Moskau stattfinden ließ. Putin bekam eine persönliche Einladung, sagte aber in letzter Minute ab. Was blieb, war ein Draht zu Aras Agalarov. Der ist als Milliardär und Bauunternehmer die russische Ausgabe Trumps. Ein Vertrauter Putins.

Trumps offen zur Schau gestellte Bewunderung für den Machthaber in Moskau ist gut dokumentiert. „Anders als Obama ist Putin ein echter Führer, der sein Land managt“, sagte Trump mehr als einmal. Als Präsident werde er mit Putin „sehr gut auskommen“, kündigte er bei Fernsehdebatten an. Die Wertschätzung blieb nicht unerwidert – mit welchem Grad an Ernsthaftigkeit, weiß niemand. Putin nannte den Bauunternehmer vom Hudson River einen „sehr markanten, talentierten Menschen“. Was Trump, eitel bis in die Haardecke, über Wochen wie eine Monstranz vor sich her trug. Interviewpartner, die wissen wollten, ob ihm das Lob des Mannes, der nicht nur in der Ukraine an der Weltordnung gerüttelt hat, nicht unangenehm sein müsse, bürstete der Milliardär ab: „Der Typ nennt mich ein Genie. Und das soll ich zurückweisen?“ Er wäre ja verrückt.

Dass Trump sich von der Nato distanziert, freut den Kreml

Umgekehrt sieht auch Moskau keine Veranlassung zu besonderer Neutralität. Zumal Trumps Entourage der Obama-Regierung öffentlich regelmäßig die Hauptschuld am miserablen Verhältnis beider Länder gibt.

Putin ging darum wie Honig runter, als Trump jüngst die Beistandsverpflichtung innerhalb der Nato unter Vorbehalt stellte. Weil Amerika als Zahlmeister im westlichen Verteidigungsbündnis ausgedient habe, wenn er an die Macht komme, könnten sich die vor Putin am meisten fürchtenden Balten-Republiken Lettland, Litauen und Estland nur noch dann auf US-Hilfe verlassen, wenn sie ihre Rechnungen bezahlten. „Im Kreml müssen die Korken geknallt haben“, sagte ein Ost-Europa-Experte des US-Außenministeriums dieser Zeitung. Die konservative Bloggerin Jennifer Rubin nannte Trump Putins „Schoßhund“.

Die virtuelle Männerfreundschaft (getroffen haben sich beide noch nie) erreichten über den Demokraten-Parteitag in Philadelphia nach US-Berichten ihren „vorläufigen Höhepunkt“. Trump ließ anklingen, dass Amerika unter seiner Führung gewillt sein könnte, Putins Annektierung der Halbinsel Krim völkerrechtlich anzuerkennen: „Ich würde mir das anschauen.“ Danach bat er Putin vor laufender Kamera indirekt um Amtshilfe beim Auffinden von rund 30.000 gelöschten E-Mails aus dem Fundus der damaligen Außenministerin und heutigen Präsidentschaftskandidatin Hillary Clinton.

E-Mail-Leak eine „Traumsituation für den Kreml“

Das sicherheitspolitische Establishment in Washington stöhnte auf, viele Medien hyperventilierten. Noch nie habe sich ein Mann, der Amerika führen will, dem Feind so an den Hals geworfen und de facto eine ausländische Macht zur Spionage ermuntert, hieß es weit über das demokratische Lager hinaus. Prompt drehte Trump wie schon bei vorherigen Provokationen bei. Sein Vorschlag sei „sarkastisch“ gemeint gewesen. Alles andere sei böswillig, sagte Wahlkampfmanager Paul Manafort. Jener Manafort, der einst für den windigen Ex-Präsidenten der Ukraine (und Putin-Freund) Viktor Janukowitsch arbeitete.

Für Fiona Hill, Washingtons erste Adresse für das Lesen des Putin-Orakels, war die via Enthüllungsportal Wikileaks bekannt gewordene Geschichte über denunziatorische Demokraten E-Mails eine „Traumsituation für den Kreml“. Russische Sicherheitsbehörden seien sehr geschickt darin, US-Medien zu füttern. „Sie wussten, dass wir daraus eine große Story machen.“

Trotzdem geht Trump bei seinem Kuschelkurs Richtung Putin ein hohes Risiko ein, sagen selbst Parteifreunde. Das FBI ermittelt mit Hochdruck, um Nachweise über die Quelle der verschiedenen Datendiebstähle bei den Demokraten zu finden. Bewahrheitet sich die aus Indizien gespeiste These, dass hier das Handwerk von Hackern zu besichtigen ist, die dem russischen Militärgeheimdienst GRU zuarbeiten, stünde Trump nackt auf der Lichtung. Das Etikett „Putin-Versteher“ könnte konservative Wähler verschrecken. Sie haben sich daran gewöhnt, dass die Republikaner Präsident Obama vorwerfen, Putin nicht hart genug anzufassen. 2012 nannte der damalige Präsidentschaftskandidat Mitt Romney Russland die „größte geopolitische Bedrohung der USA“.

Paul Ryan, mächtiger Sprecher des Repräsentantenhauses, bleibt bis heute dabei: „Russland ist eine globale Bedrohung, die von einem verschlagenen Gangster geführt wird“, sagte sein Sprecher am Wochenende, „Putin soll sich aus dieser Wahl heraushalten.“

Donald Trump sieht das offensichtlich anders.

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