München

München-Attentäter war stolz, ein „Arier“ zu sein

18-Jähriger handelte womöglich aus Fremdenhass. Plante ein Internet-Kontakt von ihm ebenfalls Amoklauf?

München. Knapp eine Woche nach dem Amoklauf von München hat die Polizei neue Hinweise zu seinem Motiv. Wie die „Frankfurter Allgemeine Zeitung“ unter Bezug auf Ermittler berichtet, soll David S. in seinem privaten Umfeld als Rassist bekannt gewesen sein. Demnach soll der 18-Jährige stolz darauf gewesen sein, als Iraner und Deutscher ein „Arier“ zu sein. Der Iran gilt als Heimat der Arier, eines zentralasiatischen Volkes mit indogermanischer Sprache. Laut „Spiegel Online“ hat er auch im Internet vor allem über Türken geschimpft. Die Ermittler gehen daher auch der Hypothese nach, ob er bei seiner Tat gezielt Menschen mit ausländischer Herkunft tötete. Alle seine neun Opfer hätten einen Migrationshintergrund. Drei Jugendliche seien türkischstämmig, zudem sei eine 45-jährige türkische Frau getötet worden. Drei andere Jugendliche – ein Junge und zwei Mädchen – waren demnach Kosovo-Albaner. Bisher war davon ausgegangen worden, dass die Tat vor allem aus einer psychischen Erkrankung des 18-Jährigen hervorging.

In Baden-Württemberg ist derweil ein 15-Jähriger festgenommen worden, der im Chatkontakt mit dem Amokläufer stand. Der Kontakt war von einem anonymen Hinweisgeber in einem Forum für Nutzer von Ego-Shooter-Spielen entdeckt worden. Daraufhin hatte dieser die Polizei informiert. Die Beamten hätten sofort auf den Hinweis reagiert, hieß es. Ob er von der Bluttat im Voraus wusste, werde noch ermittelt.

Der junge Mann plante offenbar eine eigene Amoktat an seiner Schule. In der Wohnung der Eltern wurden unter anderem „eine größere Anzahl Kleinkaliberpatronen sowie mehrere Messer und Dolche“ entdeckt. Die Polizei fand auch Fluchtpläne seiner Schule sowie eine größere Menge Chemikalien, Material und Anleitungen zur Herstellung von Sprengmitteln. In der Vernehmung räumte der Jugendliche ein, sich „vor dem Hintergrund persönlicher und schulischer Probleme mit der Begehung einer Amoktat“ auseinandergesetzt zu haben. Er habe sich aber inzwischen davon distanziert. Er wurde in eine Jugendpsychiatrie gebracht.

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