Anschlag

Polizistin aus Nizza beklagt Einflussnahme des Ministeriums

Bericht ändern, Videos löschen: Eine Polizistin aus Nizza sagt, das Innenministerium habe sie nach dem Anschlag unter Druck gesetzt.

Nach dem Anschlag sicherte die Polizei die Promenade des Anglais in Nizza.

Nach dem Anschlag sicherte die Polizei die Promenade des Anglais in Nizza.

Foto: Andreas Gebert / dpa

Nizza/Berlin.  Es sind schwere Vorwürfe, die die französische Polizistin Sandra Bertin erhebt: Das Innenministerium in Paris soll sie unter Druck gesetzt und dazu gedrängt haben, nach dem Anschlag von Nizza am 14. Juli Überwachungsvideos zu löschen und einen Polizeibericht zu ändern. Das sagte die Polizistin der Zeitung „Journal du dimanche“.

Das Innenministerium reagierte inzwischen. Minister Bernard Cazeneuve sprach von schwerwiegenden Anschuldigungen und kündigte eine Verleumdungsklage gegen Bertin an. Er kritisierte am Sonntagabend eine „Kampagne der Niederträchtigkeiten“ und versicherte: „Kein Mitglied meines Kabinetts war mit Frau Bertin in Kontakt.“ Premierminister Manuel Valls kritisierte am Montag im Sender BFMTV eine „rein politische Polemik“.

Beamter soll sie zur Änderung des Berichts aufgefordert haben

Bertin, Leiterin der Videoüberwachung bei der städtischen Polizei in Nizza, hatte der Zeitung gesagt, am Tag nach dem Anschlag sei ein Vertreter des Innenministeriums zu ihr gekommen und habe sie telefonisch mit einem Mitarbeiter des Ministers in Paris verbunden. Der Beamte habe sie am Telefon dazu aufgefordert, einen Bericht über die Polizeiposten und Absperrungen am Abend des Anschlags zu ändern.

In dem Bericht sollte sie betonen, „dass an zwei Stellen auch die nationale Polizei zu sehen gewesen sei“. Auf ihre Antwort hin, sie schreibe nur das, was sie auch gesehen habe, auf den Videos seien die Polizisten nicht zu sehen, habe der Beamte gesagt, sie solle den Bericht in nicht schreibgeschützter Fassung vorlegen. Das impliziert, dass der Beamte im Nachhinein noch Änderungen am Text vornehmen wollte.

Debatte über Sicherheitsvorkehrungen in Nizza

Einige Tage später, sagte Bertin, habe die Antiterror-Abteilung des Innenministeriums sie aufgefordert, die Aufnahmen der sechs Kameras zu löschen, die sie in dem Bericht genannt hatte. Es seien die Kameras gewesen, die den Anschlag gefilmt hätten. Die Bilder sollten nicht an die Öffentlichkeit gelangen, so die Begründung.

Schon seit Tagen wird in Frankreich darüber diskutiert, ob die Sicherheitsvorkehrungen in Nizza am Abend des Anschlags ausreichend waren. Die Kritik der Polizei in Nizza: Die Landesregierung habe nicht genügend Einsatzkräfte geschickt. Laut Medienberichten soll die nationale Polizei an der Promenade des Anglais – der Ort des Anschlags – nicht anwesend gewesen sein. Innenminister Cazeneuve behauptet das Gegenteil.

Ein Mann war am französischen Nationalfeiertag mit einem Lastwagen auf der Strandpromenade von Nizza in die feiernde Menge gefahren. 84 Menschen wurden getötet, die Polizei erschoss den 31-Jährigen. (sdo/dpa)