Nach München

Krisenfall: Was Thomas de Maizière von sozialen Medien hält

Nach dem Anschlag in München hat sich nun auch der Bundesinnenminister geäußert. Er lobte das Vorgehen der Münchner Polizei.

Innenminister Thomas de Maiziere (CDU) hat nach dem Amoklauf in München die Arbeit der Polizei gelobt

Innenminister Thomas de Maiziere (CDU) hat nach dem Amoklauf in München die Arbeit der Polizei gelobt

Foto: Klaus-Dietmar Gabbert / dpa

Der Amokläufer von München war nach Worten von Bundesinnenminister Thomas de Maizière (CDU) für die Sicherheitsbehörden zuvor ein unbeschriebenes Blatt. "Gegen ihn waren bisher keine polizeilichen Ermittlungen bekannt", sagte er am Sonnabend in Berlin. Deswegen habe es auch keine staatsschutzrelevanten Informationen gegeben. "Und es gibt auch keine Erkenntnisse der Nachrichtendienste über diese Person." De Maizière bestätigte, dass der 18-jährige Deutsch-Iraner nach bisherigen Informationen "mit hoher Wahrscheinlichkeit" als Einzeltäter gehandelt habe.

Bei seinem Auftritt vor der Presse äußerte sich der Innenminister auch zum Einsatz von sozialen Medien im Krisenfall. Sein Statement dazu im Wortlaut:

„Früher hätte die Polizei in einer solchen Lage eine Informationssperre verhängt und nach einem gewissen Abschluss der Lage eine Presseinformation weitergegeben. Im Zeitalter sozialer Medien werden die Informationsmenge und der Informationszeitpunkt nicht mehr durch die Polizei bestimmt, sondern durch Menschen. Das hat eine Reihe von Vorteilen. Wir sehen Ermittlungserfolge durch Bilder und Videos, die Private machen. So ist etwa das Attentat in Boston aufgeklärt worden. Aber das trägt natürlich, wenn sich Gerüchte verbreiten, nicht unbedingt zu einer angemessenen Beurteilung der Lage bei.“

„Wenn Polizisten in Uniform und mit Waffen oder zivile Angehörige der Polizei mit Langwaffen durch die Straßen laufen – und daraus werden in sozialen Netzwerken dann Täter gemacht – dann muss das die Polizei und uns veranlassen darüber nachzudenken, was das für unsere Öffentlichkeitsarbeit heißt.“

"Die Münchner Polizei hat mit ihren Öffentlichkeitstätigkeiten Silvester und jetzt mit ihrem offiziellen Polizei-Twitter sehr gute Arbeit geleistet – zugleich auch mit einer Warn-App (…) Aber in der Geschwindigkeit, in der sich soziale Medien ausbreiten, ist es ungewöhnlich schwer, dass die Polizei ein Monopol über seriöse und gesicherte Informationen hat. Das muss man sagen."

"Angesichts dieser Gerüchtelagen und angesichts der Vorerfahrungen des letzten halben Jahres, halte ich das Verhalten der bayerischen Sicherheitsbehörden, hier auf Nummer sicher zu gehen und denkbare Gefahren etwa durch Schließung des öffentlichen Personen-Nahverkehrs auszuschließen, und in der Lage von einer Terrorgefahr auszugehen, für vollständig richtig und nachvollziehbar.“

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