Republikaner

Donald Trump ist am Ziel – und alle Fragen sind offen

Donald Trump ist Präsidentschaftskandidat der Republikaner. Jetzt soll er Inhalte liefern – am Donnerstag in seiner Antrittsrede.

Donald Trump ließ sich nach seiner Kür zum Präsidentschaftskandidaten der Republikaner beim Parteikonvent in Cleveland per Videostream zuschalten.

Donald Trump ließ sich nach seiner Kür zum Präsidentschaftskandidaten der Republikaner beim Parteikonvent in Cleveland per Videostream zuschalten.

Foto: Michael Reynolds / dpa

Cleveland.  Fast 500 Delegiertenstimmen mehr als nötig. Das anfänglich widerspenstige Parteivolk mehr oder minder auf Linie gebracht. Die Konservativen auf den gemeinsamen Feind Hillary Clinton eingenordet. Tausende rote, blaue und weiße Luftballons für den großen Showdown abwurfbereit unter dem Hallendach installiert: Wer Donald Trump vor seiner ersten große Rede am Donnerstagabend als offizieller Kandidat der Republikaner fürs Weiße Haus in der Quicken Loans Arena von Cleveland dieses Szenario vor einem Jahr dargelegt hätte, wäre von dem New Yorker Bau-Milliardär wahrscheinlich verlacht worden. Seit Dienstagabend, 19.13 Uhr, ist es Realität. Der 70-jährige Geschäftsmann hat den laut US-Medien „bizarrsten“ und „unversöhnlichsten“ Vorwahlkampf um das Ticket für das höchste Staatsamt in Amerika gegen alle Prognosen (und Hoffnungen des Partei-Establishments) für sich entschieden.

Seinem gleichnamigen ältesten Sohn (38) blieb es vorbehalten, als Abgesandter des Bundesstaates New York jene 89 Stimmen zu verkünden, die den politischen Außenseiter über die Hürde der notwendigen 1237 Stimmen trugen. „Glückwunsch, Dad. Wir lieben dich“, rief Trump Jr. in den Saal. Danach erklang Frank Sinatras „New York, New York“ aus den Lautsprechern. Applaus brandete auf.

Nicht alle Delegierten in Feierlaune

Längst nicht alle Delegierten waren ihn Feierlaune. Ohios Mannschaft, deren 66 Stimmen an ihren Gouverneur John Kasich gingen, verharrten teilnahmslos. Und stellvertretend für jene Abtrünnigen, die Trumps Krönung durch Geschäftsordnungstricks hintertreiben wollten, sagte Kendal Unruh aus Colorado, dass es ihrem Verständnis von Demokratie nicht entspreche, als „Statist“, der nicht angehört wird, einem „Monarchen“ zu huldigen.

König Trump nahm den Gunstbeweis in Zahlen nicht persönlich an. Per Video ließ er sich aus seinem Hochhaus in Manhattan in die Versammlung schalten, erklärte, er sei unendlich dankbar und stolz und kündigte an, nun „wirklichen Wandel“ nach Amerika zu bringen. Wie? Darüber gibt, wie viele Delegierte auf Nachfragen bekundeten, hoffentlich seine Antrittsrede erstmals Auskunft. „Trump hat die Chance, alle seine Kritiker zu widerlegen und endlich durchdachte Konzepte für mehr Jobs und bessere Löhne vorzustellen“, sagte Jim Bowens aus Wyoming. Der Farmer hat lange mit Trump gefremdelt. „Ich weiß immer noch nicht wirklich, wie der Mann tickt. Aber Hillary Clinton kann für mich definitiv keine Alternative sein.“

Gouverneur von New Jersey greift Clinton an

Clinton ist der Fluchtpunkt, auf den die Republikaner in Cleveland am Rednerpult immer wieder zusteuern. Statistiker haben ermittelt, dass ihr Name am häufigsten fiel – und zwar ausschließlich in einem negativen Zusammenhang. Am weitesten ging dabei Chris Christie. Der Gouverneur von New Jersey, ein früherer Staatsanwalt, funktionierte seine Rede in ein Schautribunal um. Clinton sei für sämtliche außenpolitischen Brandherde von Syrien über Libyen bis Russland verantwortlich, erklärte der Mann, der immerhin im Range eines Ministerpräsidenten Verantwortung trägt. „Schuldig oder nicht?“, stachelte Christie immer wieder das Publikum an. Das Urteil kam in einem kollektiven Donner zurück: „Schuldig! Sperrt sie ein!“.

Über Trump und seinen Plan, Amerika „wieder groß zu machen“, erfuhr der Parteitag bis auf die bekannten Schlagworte – mehr Jobs, sichere Grenzen, Recht und Ordnung – wieder so gut wie nichts. Stattdessen sprach nach dem durch eine teils abgeschriebene Rede verunglückten Auftritt von Gattin Melania der andere Teil der Familie. Tochter Tiffany nannte ihren Vater einen „geborener Mutmacher“. Sohn Donald Jr. mühte sich, den Eindruck zu zerstreuen, der Trump-Clan sei elitär: „Wir sind die einzigen Milliardärskinder, die sich auf einer Planierraupe genauso wohl fühlen wie in unseren eigenen Autos.“ Einige Delegierte guckten in dem Moment, als seien sie überrollt worden.