#InternsSoWhite

Paul Ryan löst mit Selfie Debatte über Rassismus aus

Auf Instagram postet Paul Ryan ein Selfie mit Praktikanten und erntet dafür viel Kritik – denn fast alle Personen darauf sind weiß.

Der Sprecher des US-Repräsentantenhauses, Paul Ryan, postete auf Instagram ein Selfie mit Kongress-Praktikanten. In den sozialen Netzwerken gab es einen Shitstorm.

Der Sprecher des US-Repräsentantenhauses, Paul Ryan, postete auf Instagram ein Selfie mit Kongress-Praktikanten. In den sozialen Netzwerken gab es einen Shitstorm.

Foto: YURI GRIPAS / REUTERS

Berlin.  Nach #OscarsSoWhite folgt #InternsSoWhite: In den USA wird die Debatte über Rassismus und Unterdrückung von Schwarzen durch ein Selfie weiter angeheizt. Paul Ryan, Sprecher des US-Repräsentantenhauses, dachte, er poste ein rekordverdächtiges Foto auf Instagram. Doch rekordverdächtig waren die negativen Reaktionen. Innerhalb von drei Tagen gab es mehr als 7000 Kommentare – und einen Shitstorm in den sozialen Netzwerken.

Der Republikaner hielt am Samstag eine Rede vor mehr als 100 Praktikanten im US-Kongress. Nach seinem Auftritt platzierte sich Paul Ryan vor seine Zuhörer, zückte den Selfie-Stick und schoss ein Foto von sich und einigen hundert jungen Menschen. Das Bild postete Ryan auf seinem Instagram-Account und schrieb dazu: „Ich glaube, dies stellt einen Rekord dar für die meisten Praktikanten im Kapitol auf einem einzigen Selfie.“

Selfie sorgt für Aufsehen

Das Foto ging sofort viral – aber nicht wegen der vielen Praktikanten. Für Aufsehen sorgte der Schnappschuss, weil auf dem Bild fast jede Person weiß ist. Und unter den Hashtags #InternsSoWhite und #GOPSoWhite fragten sich die Twitter-Nutzer: „Was ist auf diesem Bild falsch?“

Selbst die zähesten Ermittler in den sozialen Netzwerken konnten nur eine schwarze Frau finden.

Viele Twitter-Nutzer schrieben, das Bild zeige erneut den Mangel an Vielfalt in den USA und sei „weißer als die Oscars“. Anfang des Jahres hatte es unter dem Hashtag #OscarsSoWhite eine Debatte über den Rassismus in der Filmbranche gegeben, weil zum zweiten Mal in Folge nur weiße Schauspielerinnen und Schauspieler für den Oscar nominiert waren.

Hospitanzen sind meist unbezahlt

Eigentlich hatten die Republikaner nach der Wahlniederlage 2012 gegen Barack Obama ihre Partei reformieren wollen. Doch wie RJ Khalaf, der im Büro des Demokraten Andre Carsonn hospitiert, dem US-Sender USA Today erzählte, waren auf dem Selfie nicht nur Praktikanten der Republikaner, sondern von beiden Parteien zu sehen. Demnach seien die Teilnehmer per Los bestimmt worden. „Ich denke nicht, dass das unbedingt nur auf Paul Ryan bezogen werden muss.“ So verdeutliche das Foto vielmehr, dass in der US-Politik insgesamt viele Praktikanten nicht schwarz seien.

„Das Problem ist das Geld, nicht die Rasse“, sagte Emily Larsen, Praktikantin bei den Republikanerin, der „Daily Mail“. Tatsächlich sind die begehrten Hospitanzen im US-Kongress in der Regel unbezahlt. Nur eine privilegierte Gruppe hat daher überhaupt die Möglichkeit, ein Praktikum zu machen. Darauf wies auch Twitter-Nutzerin Nicole McAllister hin: „Ich hoffe, wir können das Selfie nutzen, um aufzuzeigen, dass unbezahlte Praktika Zugangsbarrieren darstellen und Privilegien aufrecht erhalten.“

Parteikonvent ähnlich besetzt

Der Kongress wird seit langem für das Fehlen von Minderheiten kritisiert. Laut „Daily Mail“ haben 83 Prozent der Kongressabgeordneten eine weiße Hautfarbe. Auf dem Parteikonvent der US-Republikaner ergab sich ein ähnliches Bild. Eine Grafik der „Los Angeles Times“ zeigt, dass von 71 Sprechern nur ein Drittel Frauen waren. Davon waren 57 Teilnehmer weiß und nur sieben schwarz, zudem sechs Latinos und ein Asiate.