Wahlkampf

US-Presse vergleicht Donald Trumps Auftritt mit Beyoncé

Wenig euphorisch reagiert die US-Presse auf Donald Trumps Nominierung. Stattdessen bekommen seine Kinder die viel besseren Noten.

Auftritt „The Donald“: Im Stile eines Popstars kam Donald Trump beim Nominierungsparteitag in Cleveland auf die Bühne.

Auftritt „The Donald“: Im Stile eines Popstars kam Donald Trump beim Nominierungsparteitag in Cleveland auf die Bühne.

Foto: Shawn Thew / dpa

Berlin.  Der Nominierungsparteitag der Republikanischen Partei in Cleveland reißt die amerikanische Presse nicht eben vom Hocker. Donald Trump, da sind sich die meisten Kommentatoren einig, habe zwar viel Pomp, aber wenig Inhalte geboten. Und die Partei sei zerrissener denn je. Eine Presseschau der Internetportale amerikanischer Medien:

Die „Los Angeles Times“ schreibt nicht ohne Anerkennung zu Trumps Nominierung: „Trumps Sieg in der ersten Abstimmungsrunde beim Konvent der Republikaner in Cleveland vollendet seine Eroberung der Partei und krönt, was noch zu Beginn seiner Wahlkampagne vor etwas mehr als einem Jahr unmöglich schien.“

„Ein Triumph des Narzissmus“

Die „Washington Post“ legt das Augenmerk auf die Angriffe mehrerer Redner von Cleveland auf die Präsidentschaftskandidatin der Demokraten: „Im Augenblick von Trumps Triumph gerät Hillary Clinton ins Fadenkreuz.“ Und in einem Kommentar zum Nominierungsparteitag der Republikaner heißt es: „Die Trump-Convention ist ein Triumph des Narzissmus.“ Als der Kandidat die Bühne betrat, habe das beispielsweise ausgesehen wie in einer Show von Popstar Beyoncé:

„Er ist nicht der strahlende Held“

Die „New York Times“ wirft einen kritischen Blick auf die Nominierung: „Sogar im Augenblick von Trumps Triumph tut sich der Abgrund seiner Kampagne und der Partei, die er anführen will, breiter auf denn je.“ Ein Kommentator der NYT hebt hervor, dass sich viele Redner mehr an der Gegnerin Clinton abgearbeitet hätten als ihren eigenen Kandidaten Donald Trump zu feiern: „Er ist nicht ihr strahlender Held. Er ist nur ihre einzige Option.“

Die „New York Post“ dagegen hebt besonders den Auftritt von Trumps Sohn hervor: „Donald Trump junior hält die Rede, die sein Vater nie halten könnte. Donald junior rettet einen glanzlosen Abend.“

Der TV-Sender CNN legt den Fokus auf Trumps Tochter, die in Cleveland eine viel beachtete Rede hielt: „Tiffany Trump gab ihr Solo-Debüt auf der nationalen Bühne und wirkte wie eine besonnene, angenehm liebenswürdige junge Frau.“ Sie habe die Delegierten daran erinnert, dass der „bombastische Trump“ eine reale Person sei: „Tiffany Trump sprach aus dem Herzen, und es hat funktioniert.“

Die Auftritte der beiden Trump-Kinder bildeten einen scharfen Kontrast zum ersten Tag der Convention. Da hatte Trumps Gattin Melania mit ihrer Rede für einen peinlichen Höhepunkt gesorgt. Ein US-Journalist hatte anschließend herausgefunden, dass Teile ihrer Rede offenbar abgekupfert waren – und zwar ausgerechnet von der Rede, die Michelle Obama beim Nominierungsparteitag für ihren Mann Barack Obama vor acht Jahren gehalten hatte. Der US-Präsident ist der Lieblingsfeind Trumps, während seines Wahlkampfs hatte er ihn und seine Politik immer wieder scharf und polemisch angegangen.