Vorwürfe

Melania Trump erntet für Schummel-Rede Häme und Spott

Donald Trumps Ehefrau Melania steht unter Plagiatsverdacht. Sie soll bei ihrer Parteitagsrede bei der First Lady abgeschrieben haben.

Melania Trumps (l.) Rede in Cleveland ähnelte deutlich jener Ansprache, die Michelle Obama 2008 in Denver gehalten hat.

Melania Trumps (l.) Rede in Cleveland ähnelte deutlich jener Ansprache, die Michelle Obama 2008 in Denver gehalten hat.

Foto: Stf / dpa

Cleveland.  Wenn sich eine potenzielle „First Lady“ der Nation zum ersten Mal vorstellt, hört Amerika ganz genau hin. Wie viel Familiensinn, Patriotismus, Intelligenz, Charakterstärke, Charme und Stilvermögen will da ins Weiße Haus einziehen? Und ebenso wichtig: Wie ist der künftig mächtigste Mann der Welt abseits des Scheinwerferlichts im beinharten Wahlkampf denn nun wirklich? Bringt er den Müll runter? Lässt er die Zahnpastatube offen? Wechselt er Windeln?

Gemessen daran, war Melania Trumps 15 Minuten langer und bis in die kleinste Geste durchchoreographierter Auftritt auf dem Parteitag der Republikaner in Cleveland ein Totalausfall. Und das nicht so sehr wegen einer Fülle von blutleeren Plattitüden wie „Er wird euch niemals enttäuschen. Er ist ein großartiger Anführer.“ Oder wegen der ominösen Ankündigung, dass bis zum Wahltag im November noch viel „Spannung“ und „Drama“ warteten.

Gegenüberstellung zeigt frappierende Ähnlichkeit

Die aus Slowenien stammende dritte Ehefrau (46) des umstrittenen Präsidentschaftskandidaten Donald Trump (70) kam im strahlend weißen Kleid zu den bombastischen Klängen der Queen-Hymne „We are the Champions“ auf die Bühne. Keine Stunde später stand das introvertierte Ex-Mannequin, das sich einst für das Herren-Magazin „GQ“ textilfrei ablichten ließ, unter Schummelverdacht.

Zentrale Passagen ihrer vom Teleprompter abgelesenen Rede, in der es viel um Moral und Werte wie Redlichkeit und Mitgefühl ging, waren ähnlich bis nahezu identisch mit jener Ansprache, die die amtierende Präsidentengattin Michelle Obama 2008 in Denver gehalten hatte. US-Medien schnitten die nötigen Video-Sequenzen gegeneinander. Fast einhelliges Urteil: „Astreines Plagiat, das kann kein Zufall sein.“

So formulierte Melania Trump über ihr Elternhaus, in dem hartes Arbeiten, Zielstrebigkeit und Respekt für die Mitmenschen große Wichtigkeit besessen hätten: „Wir müssen diese Lehren an die vielen Generationen weitergeben, die kommen werden. Denn wir wollen, dass die Kinder in diesem Land wissen, dass die einzige Grenze für deine Leistung die Kraft deiner Träume ist und deine Bereitschaft, für sie zu arbeiten.“ Vor acht Jahren sagte Michelle Obama: „Barack und ich haben uns entschlossen, ein Leben zu führen, dass von diesen Werten geleitet wird und sie an die nächste Generation weiterzugeben. Denn wir wollen, dass unsere Kinder und alle Kinder dieses Landes wissen, dass die einzige Grenze für die Größe deiner Leistungen, die Tragweite deiner Träume ist und deine Bereitschaft, hart für sie zu arbeiten.“

Trumps PR-Abteilung dreht bei

Wie die frappierende Ähnlichkeit zustande kam, ist noch unklar. Melania Trump beteuerte, dass sie den Text „mit so wenig Hilfe wie möglich“ allein geschrieben habe. Nachdem eine Welle des Spotts über sie hereingebrochen war, drehte die PR-Abteilung der Kampagne ihres Mannes bei. Melanias „Schreiber-Team“ habe sich „Inspirationen ihres Lebens“ zu eigen gemacht. Und „in einigen Fällen Fragmente mit einbezogen, die ihr eigenes Denken wiedergaben“.

Was nicht nur in Kreisen der Demokraten, die ihr Schmunzeln über das Eigentor der Konservativen nicht verbergen konnten, allgemein so verstanden wurde: Melania Trump muss sehr einverstanden sein mit dem, was Frau Obama im Leben für wichtig hält.

Team Trump konterte sofort: Von Plagiat könne überhaupt keine Rede sein. Der Vorwurf sei bösartig und ein Beispiel dafür, wie feindlich die meisten Medien Trump gegenüber gesonnen seien. Der hatte auf Twitter selbstredend Einsernoten verteilt. „Ihre Rede und ihr Auftreten waren unglaublich“, schrieb er über seine Gattin, „sehr stolz!“. Eine Bewertung, die ausgerechnet Trumps Wahlkampf-Manager Paul Mannafort am Dienstag unbeabsichtigt neutralisierte. Die inkriminierten Ähnlichkeiten in der Rede von Frau Trump seien „Allgemeingut“. Also nichts Besonderes. Genau das sollte die erste große Rede von Melania Trump nicht sein.