Cleveland

Familienangelegenheit Weißes Haus

| Lesedauer: 4 Minuten
Dirk Hautkapp

Auf dem Parteitag der US-Republikaner in Cleveland reden vor allem die Trumps. Die Parteiprominenz bleibt fern

Cleveland. Nein, es ist kein Druckfehler. Der Name „Trump“ taucht auf der Rednerliste des am Montag gestarteten Nominierungsparteitags der Republikaner in Cleveland sechsmal auf. Weil nahezu die komplette erste Garde der „Grand Old Party“ aus Verdruss über den radikal-populistischen Wahlkampf des New Yorker Geschäftsmanns dem viertägigen Polit-Zirkus fernbleibt und lediglich C-Prominenz aufläuft, hat der einzige Bewerber der Konservativen für die Nachfolge von Präsident Obama die „National Convention“ zu einer Familienangelegenheit umfunktioniert. Nach Melania, seiner Frau, sind die Kinder Donald Jr., Eric, Tiffany und Ivanka fest am Mikrofon gebucht; bevor Donald Trump selbst am Donnerstagabend den Schlusspunkt setzt. „Unser Ziel ist es, den Leuten im Land den Menschen Donald Trump näherzubringen“, sagt Wahlkampfchef Paul Mannafort. Wer könnte das besser als die eigene Familie.

Die „National Convention“ ist alle vier Jahre die größte und teuerste Polit-Nabelschau, die Amerika zu bieten hat. Sie dient als Katalysator, um draußen im Land auf den Wahltag im November einzustimmen. Dazu wird der aus den Vorwahlen als Sieger hervorgegangene Spitzenkandidat feierlich von den Delegierten nominiert und mit einem losen Wahlprogramm auf die Reise geschickt. In Trumps Fall, der 14 Millionen Stimmen und 36 von 50 Bundesstaaten gewann und sämtliche 16 Mitbewerber aus dem Rennen katapultierte, steht dort, dass Amerika die Einwanderungsgesetze verschärfen und an der mexikanischen Grenze eine hohe Mauer bauen wird.

Für das Präsidentschaftsticket benötigt Trump heute 1237 von 2472 Delegierten-Stimmen. Nach internen Berechnungen hat er bereits 1542 sicher. Weil ein letzter Versuch seiner zahlreichen Gegner gescheitert ist, die Delegierten vom Abstimmungszwang für ihn zu befreien, steht Trump trotz einzelner zu erwartender Scharmützel im Delegierten-Volk als Kandidat fest. Seine Krönung allerdings geschieht in Festungsatmosphäre.

Rund um das „Q“, wie die „Quicken Loans Arena“ genannt wird, wo die Basketballer der örtlichen Cavaliers gerade als NBA-Champion gefeiert wurden, gleicht Cleveland einem Sperrgebiet. Kilometerlange Gitter-Konstruktionen, Prellblöcke und Kontrollposten, wie sie in Kriegszonen üblich sind, durchziehen die Straßen; bewacht von Hunderten Polizisten in schusssicheren Westen. Als Versammlungsleiter Paul Ryan gestern Mittag den Parteitag offiziell eröffnete, kreisten Hubschrauber über dem Versammlungsort. „Ein zweites Baton Rouge darf hier nicht passieren“, sagte ein Cop, der an der Euclid Street ganz in der Nähe des „Q“ Wache schob.

Dabei hat Trump die erste Etappe des viertägigen Rede-Marathons, der nach deutscher Zeit am Freitagmorgen gegen drei Uhr mit seiner Abschlussrede endet, unter das Motto „Make America Safe Again“ gestellt – Amerika wieder sicher machen. Also trat Michael Flynn ans Rednerpult, ein schneidiger Ex-General, der Amerikas militärische Faust viel häufiger auf böse Feinde wie den „Islamischen Staat“ niederkrachen lassen würde, wenn man ihn denn ließe. Auch die im Irak-Krieg gestählte Senatorin Joni Ernst aus Iowa ist so gepolt: Amerika sei unter Präsident Obama
ex­trem verwundbar geworden – nach außen wie nach innen.

Apropos innen: Aus Angst vor Anschlägen und Gewalttaten haben die Organisatoren der knapp 50 Millionen Dollar teuren Krönungsmesse in der engeren Sicherheitszone um die Parteitagshalle Regenschirme, Kinderwagen, Trommeln, Plakate, Pakete, Spraydosen und andere Gegenstände kategorisch verboten. Nicht aber Pistolen und Gewehre. Der Hintergrund löste gerade bei internationalen Beobachtern Kopfschütteln aus. Im Bundesstaat Ohio ist lizenzierten Waffenbesitzern das öffentliche Tragen ihrer Schießprügel gestattet. Wiederholte Bitten der Polizeigewerkschaft, im Licht der Gewaltexzesse von Dallas und Baton Rouge, wo Polizisten gezielt getötet wurden, dieses Recht wenigstens befristet außer Kraft zu setzen, beschied Gouverneur John Kasich abschlägig: „Die Verfassung gestattet mir das nicht.“

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