Nizza

In Nizza schlägt die Trauer in Wut auf die Regierung um

Premierminister Manuel Valls am Tatort ausgebuht

Nizza. Bei einer Schweigeminute für die Opfer des Anschlags von Nizza ist die Trauer in wütende Proteste gegen die französische Regierung umgeschlagen. Ein Teil der Anwesenden buhte Premierminister Manuel Valls am Tatort auf dem Strandboulevard der Mittelmeer-Stadt aus. Nach dem neuen Anschlag mit 84 Todesopfern wird in Frankreich heftig darüber diskutiert, ob die Behörden genug für den Schutz der Bevölkerung vor Terrorangriffen getan haben.

Tausende Menschen versammelten sich am Montag auf der Strandpromenade, um der Opfer zu gedenken. Einige von ihnen bedachten Valls vorher und nachher mit Unmutsäußerungen, wie französische Medien berichteten und auf Videoaufnahmen zu sehen war. Feuerwehrleute und Rettungskräfte erhielten dagegen Applaus. Auch im Rest des Landes hielten Menschen in Erinnerung an die Opfer inne. Die Opposition wirft der Regierung Versäumnisse nach den islamistischen Anschlägen des vergangenen Jahres vor.

Valls teilte unterdessen mit, unmittelbar vor der Fußball-EM sei ein Anschlag in Frankreich verhindert worden. Dieses Attentat hätte besonders mörderisch sein können, sagte der Sozialist laut Nachrichtenagentur AFP. Auf Details ging er nicht ein. Valls wirbt für die Verlängerung des Ausnahmezustandes im Land um drei Monate. Die Regierung will am Dienstag darüber beraten.

Keine Hinweise auf Kontakte zum „Islamischen Staat“

Der Attentäter von Nizza wandte sich offensichtlich kurz vor seinem verheerenden Lkw-Anschlag mit 84 Toten dem Islamismus zu. Der Tunesier Mohamed Lahouaiej-Bouhlel habe in jüngster Zeit ein „unbestreitbares Interesse“ für die dschihadistische Bewegung gezeigt, sagte der Anti-Terror-Staatsanwalt François Molins in Paris. Das habe die Auswertung seines Computers ergeben. „Seit acht Tagen hat er sich einen Bart wachsen lassen und erklärt, dies habe eine religiöse Bedeutung“, sagte der Chefermittler. Bouhlel habe in den Tagen vor dem Anschlag auch nach Videos religiöser Gesänge gesucht, die islamistische Terrororganisationen als Propagandainstrument nutzen. Derzeit gebe es aber keine Belege für eine Zugehörigkeit zur Terrormiliz „Islamischer Staat“ (IS), die den Attentäter als ihren „Soldaten“ bezeichnet hatte, sagte Molins.