Militär

So reagiert die Welt auf den Putsch-Versuch in der Türkei

Russland und die USA haben nach dem Putschversuch in der Türkei zu Frieden aufgerufen. Deutsche Politiker reagierten im Netz bestürzt.

Panzer in den Straßen von Istanbul: Das Militär hat nach eigenen Angaben vollständig die Macht in der Türkei übernommen. Die Regierung widersprach.

Panzer in den Straßen von Istanbul: Das Militär hat nach eigenen Angaben vollständig die Macht in der Türkei übernommen. Die Regierung widersprach.

Foto: Defne Karadeniz / Getty Images

Berlin.  Nach Berichten über einen Putsch in der Türkei haben Russland und die USA zum Frieden aufgerufen. „Blutige Zusammenstöße müssen vermieden und sämtliche Probleme ausschließlich verfassungskonform gelöst werden“, mahnte der russische Außenminister Sergej Lawrow bei einem Treffen mit seinem US-Kollegen John Kerry in der Nacht zum Samstag in Moskau.

US-Außenminister Kerry sicherte der demokratisch gewählten Regierung und den demokratischen Institutionen in Türkei „absolute Unterstützung“ zu. Dies habe er in einem Telefonat mit seinem türkischen Amtskollegen deutlich gemacht, sagt Kerry.

„Die Bundesregierung unterstützt die gewählte Regierung“, sagte Regierungssprecher Steffen Seibert in der Nacht zum Samstag. „Die demokratische Ordnung in der Türkei muss respektiert werden.“ Zugleich mahnte er: „Alles muss getan werden, um Menschenleben zu schützen.“ Aus dem Auswärtigen Amt hieß es: „Zur Stunde ist die Lage noch unklar.“

Merkel, Gabriel und Steinmeier in engem Kontakt

Wegen der dramatischen Entwicklung stand Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) mit Vizekanzler Sigmar Gabriel und Außenminister Frank-Walter Steinmeier (SPD) in engem Telefonkontakt. Auch mit der türkischen Regierung gab es Telefongespräche. Die Kanzlerin hält sich bei einem Gipfeltreffen von europäischen und asiatischen Staats- und Regierungschefs in der Mongolei auf. Sie wird im Lauf des Samstag in Berlin zurück erwartet.

Das Auswärtige Amt riet allen Deutschen in der türkischen Hauptstadt Ankara und in der Millionenmetropole Istanbul zu „äußerster Vorsicht“. Die Reisehinweise für das Nato-Partnerland wurden aktualisiert. Darin heißt es nun: „Bei unklarer Lage wird geraten, Wohnungen und Hotels im Zweifel nicht zu verlassen.“ Zugleich wurde Touristen und Geschäftsreisenden empfohlen, Kontakt mit ihrem Reiseveranstalter oder ihrer Fluglinie aufzunehmen.

Auf die Bundeswehr-Soldaten in der türkischen Luftwaffen-Basis Incirlik hat der Putschversuch nach Informationen aus dem Verteidigungsministerium aktuell „keine Auswirkung“. In Incirlik sind derzeit etwa 240 Bundeswehrsoldaten stationiert, die sich mit „Tornado“-Aufklärungsflugzeugen am Kampf gegen die Terrormiliz Islamischer Staat (IS) beteiligen.

Roth warnt vor möglichem Bürgerkrieg

Bundestags-Vizepräsidentin Claudia Roth hat nach dem Putschversuch in der Türkei vor einem Bürgerkrieg gewarnt. „Das ist eine dramatisch gefährliche Situation“, sagte Roth der Deutschen Presse-Agentur dpa. „Egal, wer an der Macht ist oder an die Macht kommt: Er hat eine enorme Verantwortung, jetzt Blutvergießen und einen Bürgerkrieg zu verhindern.“ Zugleich äußerte sie die Befürchtung, dass die gesamte Region durch die Entwicklung in der Türkei destabilisiert werde.

Der griechische Verteidigungsminister Panos Kammenos rief indes seinen Generalstab ein und verhängte für Militärpersonal eine Urlaubssperre. Das berichtete der Fernsehsender Skai in der Nacht zum Samstag. Zudem habe sich der griechische Außenminister Nikos Kotzias umgehend auf die Rückreise aus der Mongolei gemacht, wo er am Asien-Europa-Gipfel teilgenommen hatte. Es bestünde keine Gefahr, hieß es in dem Bericht weiter, bei den Maßnahmen gehe es lediglich darum, die Entwicklung in der Türkei zu verfolgen.

Nato-Generalsekretär Stoltenberg besorgt

Nato-Generalsekretär Jens Stoltenberg hat zur Ruhe in der Türkei angemahnt. Er rufe zu Zurückhaltung und Respekt vor den demokratischen Institutionen und der türkischen Verfassung auf, teilte Stoltenberg nach einem Telefonat mit dem türkischen Außenminister Mevlüt Cavusoglu am frühen Samstagmorgen mit. Er verfolge die Ereignisse genau und besorgt, sagte Stoltenberg weiter. Die Türkei sei ein geschätzter Nato-Verbündeter

Auch weitere Politiker haben sich auf Twitter zu den Geschehnissen in der Türkei zu Wort gemeldet. (dpa/jei)