Brexit-Befürworter

Boris Johnson wird neuer britischer Außenminister

Kaum ist Theresa May Premierministerin in Großbritannien, ernannte sie die neuen Minister in ihrem Team. Überraschungen inklusive.

Boris Johnson ist der neue britische Außenminister.

Boris Johnson ist der neue britische Außenminister.

Foto: Carl Court / Getty Images

London.  Die Konservative Theresa May hat bereits kurz nach ihrer Ernennung zur britischen Premierministerin am Mittwochabend für einen Paukenschlag gesorgt. Sie besetzte gleich mehrere Posten neu, um für den Ausstieg ihres Landes aus der EU gewappnet zu sein.

Die größte Überraschung dabei ist der umstrittene Brexit-Wortführer Boris Johnson: Der frühere Bürgermeister von London ist nun Außenminister. Die SPD und auch die Grünen kritisierten diese Personalentscheidung umgehend. Johnson sei nicht als herausragender Diplomat in Erscheinung getreten, sagte der stellvertretende SPD-Chef Ralf Stegner. Die Wahl sei „ein sehr schlechtes Signal für den Austrittsprozess und lässt Zweifel an den Fähigkeiten der neuen Premierministerin aufkommen“, sagte Fraktionschef Anton Hofreiter.

Ein geschasster Minister kehrt zurück

Die weiteren Änderungen im britischen Kabinett: Der Abgeordnete David Davis kommt auf einen neu geschaffenen Ministerposten und ist für den Brexit zuständig. Neuer Schatzkanzler ist der bisherige Außenminister Philip Hammond. Finanzminister George Osborne trat zurück, könnte aber bei den Brexit-Verhandlungen eine wichtige Rolle spielen.

Liam Fox, der 2011 von seinem Amt als Verteidigungsminister wegen der Verquickung von beruflichen und privaten Interessen zurücktrat, ist nun Minister für internationale Handelsbeziehungen. Mays Nachfolgerin im Innenministerium ist die Abgeordnete Amber Rudd. Michael Fallon bleibt Verteidigungsminister. Ein erstes Treffen der Politiker fand bereits im Amtssitz in der Downing Street in London statt.

Ein Knicks vor der Queen

Bundeskanzlerin Angela Merkel wünschte May telefonisch Glück für das neue Amt. Dies teilte ihr Sprecher Steffen Seibert am Mittwochabend in Berlin mit. Beide waren sich demnach einig, dass die Zusammenarbeit im Geiste der freundschaftlichen Beziehungen beider Länder fortgesetzt werden soll. Ausdrücklich wurde dies auch auf die Verhandlungen über den Austritt Großbritanniens aus der EU bezogen.

May war am Mittwochabend in einer kurzen Zeremonie von der Queen zur Premierministerin ernannt worden. Ihr Ehemann Philip hatte sie bei dem kurzen Besuch im Buckingham-Palast begleitet. May gab der Queen die Hand und machte einen leichten Knicks – der Handkuss wie in früheren Zeiten ist nicht mehr üblich. Sie werde gegen soziale Ungerechtigkeit kämpfen, betonte May anschließend in ihrer ersten Rede. Es komme darauf an, „ein besseres Britannien bauen“.

May ist die erste Frau an der Regierungsspitze seit dem Rücktritt von Margaret Thatcher 1990. Sie würdigte ihren Vorgänger David Cameron, der zuvor seinen Rücktritt bei der Queen eingereicht hatte. Cameron hatte seine Frau und drei Kinder mit in den Buckingham-Palast gebracht. Der Politiker, der für den Verbleib in der EU kämpfte, gab sein Amt wegen der schweren Niederlage beim Brexit-Referendum vom 23. Juni auf. 52 Prozent der Wähler hatten für den Austritt gestimmt. (dpa)