Politik

Nicht das Pendeln fördern

Berlin boomt. Tausende neue Wohnungen können den Bedarf aber nicht decken. Auch die direkte Berlin-Umgebung, der Speckgürtel einschließlich Potsdam, wächst. Hier gibt es erste Bestrebungen, die ständig neuen Ein- und Zweifamilienhaussiedlungen zu stoppen, um eine Zerfaserung des Umlandes zu verhindern. Aber weiter draußen, 70 bis 100 Kilometer von Berlin entfernt, gibt es Probleme. Dort stehen über 27.000 Wohnungen leer. Häuser zerfallen, Dörfer sterben aus. Der Verband Berlin-Brandenburgischer Wohnungsunternehmen fordert nun Landesmittel, um Städte und Dörfer im „Metropolenraum“ von Berlin und Potsdam besser anzuschließen. Das mag auf den ersten Blick sinnvoll erscheinen, aber es ist vor allem im Sinne der Wohnungsunternehmen auf dem Land.

Wieso soll der Steuerzahler einen Trend aufhalten, der kaum zu stoppen ist? Jüngere Menschen kommen in die Ballungszentren, weil sie hier Arbeits- und Ausbildungsplätze und ein spannendes Szene-Leben vorfinden. Ältere Menschen zieht es in die Städte, weil es eine gute medizinische Versorgung und auch eine bessere Ausstattung mit Supermärkten und Banken gibt. Wenn man sich diesen Trend anschaut, ist es wohl kaum möglich, durch günstigere Nahverkehrstickets die Menschen auf dem Land zu halten, wie es der BBU vorschlägt. Der Vergleich mit München oder Stuttgart hinkt auch, weil dort in den Innenstädten kein neues Wohnraumpotenzial mehr ist. Viele Menschen pendeln notgedrungen zur Arbeit.

Die Stärke von Städten wie Brandenburg/Havel ist die Nähe zu Berlin, aber nicht für Arbeitssuchende, sondern für Erholungssuchende. Die Berliner verbringen dort gern ein Wochenende am Wasser oder auf dem Fahrrad. Diese Vorteile müssen die weit entfernten Städte nutzen, um Arbeitsplätze zu schaffen. Wenn man schon Steuermittel in die Hand nimmt, dann für eine lokale Wirtschaftsförderung. Seite 13 Bericht