London

Wie eisern ist die neue Lady?

In London geht es jetzt schnell: David Cameron tritt zurück – und Theresa May wird neue britische Regierungschefin

London.  Als Andrea Leadsom am Montag überraschend vor die Tür ihres Wohnhauses in London trat, um etwas zu verkünden, wusste jeder, was kommt: noch ein Rücktritt. Nachdem zuerst David Cameron als Premier aufgegeben hatte, dann Boris Johnson darauf verzichtete, sich als sein Nachfolger zu bewerben, hat Andrea Leadsom nach ihren umstrittenen Mutterschaftsäußerungen entschieden, sich aus dem Rennen um den Parteivorsitz der Konservativen zurückzuziehen. Damit wird Theresa May als einzige verbleibende Kandidatin die künftige Tory-Chefin, Nachfolgerin von Cameron und nach Margaret Thatcher die zweite weibliche Premierministerin Großbritanniens.

Schon am morgigen Mittwoch soll sie im Amt sein. Premierminister David Cameron kündigte bis dahin seinen Rücktritt an. Am Abend ernannte sie das Tory-Komitee zur neuen Parteichefin. May habe seine volle Unterstützung, sagte Cameron. Auch Andrea Leadsom hatte nach ihrem Rückzug Theresa May als ideale Kandidatin gelobt. „Sie ist in einer idealen Position, um den Brexit zu den bestmöglichen Bedingungen für das britische Volk umzusetzen.“

May trat am frühen Nachmittag in Birmingham vor die Presse. „Brexit bedeutet Brexit“, sagte sie, „und wir machen einen Erfolg daraus.“ Damit dürften die Gerüchte über einen möglichen „Exit vom Brexit“ endgültig vom Tisch sein. Es gehe darum, sagte May, das Land „durch eine Zeit der ökonomischen und politischen Unsicherheit zu steuern“ im Versuch, „eine neue Rolle für uns in der Welt zu schmieden“. Dazu brauche es eine „starke und bewährte Führerschaft“. Damit verwies sie auf sich selbst. Der große Vorzug von Theresa May ist sicherlich, dass sie schon so lange dabei ist. Sie ist nicht der Typ Politiker, der wegläuft, wenn es ernst wird oder das persönliche Image Kratzer bekommen könnte. May ist die längstdienende Innenministerin, die die Konservativen je hatten. Sie gilt als erfahren, solide und äußerst versiert mit den Details ihres Aufgabenbereichs. Sie gehört dem moderaten, zentristischen Flügel der Tories an und hat, trotz ihrer euroskeptischen Grundhaltung im Referendumswahlkampf, für Europa geworben. Einige ihrer Kollegen nennen sie die „Eiskönigin“. Damit ist ihre kühle persönliche Art und ihr hartes Verhandlungsgeschick ebenso gemeint wie der Umstand, dass sie unter den Tory-Kollegen keine Gefolgschaft kultiviert hat, wie es andere mit Ambitionen auf Höheres getan haben. May dagegen versuchte stets, mit Kompetenz zu trumpfen. Die 59-jährige Pfarrerstochter trat schon mit zwölf Jahren in die Konservative Partei ein, arbeitete nach dem Studium in Oxford im Londoner Finanzdistrikt und wurde 1997 ins Unterhaus gewählt. Dort machte sie Karriere, zuerst als Mitglied des Schattenkabinetts, später als Generalsekretärin der Partei. Mit dem Wahlsieg der Torys im Mai 2010 wurde sie Innenministerin und hat sich auf diesem Posten halten können. May hat bisher wenig verraten, was ihre Haltung zu den Brexit-Verhandlungen angeht, aber gesagt, dass sie mit der Anrufung von Artikel 50, was den Austrittsprozess starten würde, warten will, „bis eine Exit-Strategie klar ist“.