Juba

Blutiger fünfter Geburtstag des Südsudans

Juba. Rund um den fünften Jahrestag der Unabhängigkeit ist der schlafende Bürgerkrieg im Südsudan wieder offen ausgebrochen. Zwischen Freitag und Sonntag kamen nach Regierungsangaben in der Hauptstadt Juba rund 270 Menschen ums Leben. Das Regierungsviertel war heftig umkämpft. Am Sonntag konzentrierten sich die Kämpfe vor allem auf den Süden der Stadt, wo der ehemalige Rebellenführer Riek Machar seine Residenz hat. Die für Sonnabend geplanten Feiern zum fünften Jahrestag der Unabhängigkeit des jüngsten Staates der Welt waren abgesagt worden.

Ein Schwerpunkt der aktuellen Kämpfe zwischen den Regierungstruppen und den früheren Rebellen war den Berichten zufolge das Stadtviertel Jebel, wo der Vizepräsident und Ex-Rebellenchef Machar wohnt. Ein Sprecher Machars sprach von einem Angriff der Truppen des Präsidenten Salva Kiir.

Die Gefechte in Juba hatten am Freitagabend in der Nähe des Präsidentenpalastes begonnen, während sich Kiir mit Machar traf. Beide hatten ihren Ende 2013 begonnenen blutigen Machtkampf offiziell beigelegt und im April eine Einheitsregierung gebildet. Seit Ende 2013 waren in diesem Bürgerkrieg Zehntausende Menschen ums Leben gekommen und rund 2,5 Millionen vor der Gewalt geflohen. Rund 70 Prozent der Vertriebenen sind Kinder. Die Zahl der vom Hunger bedrohten Südsudanesen ist UN-Angaben zufolge zuletzt von 4,3 Millionen auf 4,8 Millionen gestiegen. Dem Land droht wegen des anhaltenden Konflikts und des gefallenen Ölpreises außerdem die Staatspleite.

UN-Generalsekretär Ban Ki-moon bezeichnete die Kämpfe in Juba als alarmierend. Sie seien „ein neuer Verrat“ an den Menschen im Südsudan, erklärte er am Vorabend des Unabhängigkeitstages. Der überwiegend christliche Südsudan hatte sich in einem jahrzehntelangen Bürgerkrieg die Unabhängigkeit vom mehrheitlich muslimischen Norden erkämpft.