Politik

Der Druck muss bleiben

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Birgitta Stauber-Klein

Warum die Einführung der Frauenquote von 30 Prozent eine Zäsur war

Die Frauenquote in der Privatwirtschaft ist zwar nur für börsennotierte Unternehmen verpflichtend. Und es geht auch nicht um die schweren Vorstandsposten, sondern um die Besetzung der Kontrollgremien, also der Aufsichtsräte. Dennoch ist die Frauenquote von 30 Prozent, zu der sich im Jahr 2014 die große Koalition nach langem, auch innerparteilichem, Streit durchringen konnte, eine Zäsur in Deutschland gewesen. Denn erstmals ist die Wirtschaft per Gesetz seit Anfang dieses Jahres verpflichtet, offene Posten mit Frauen zu besetzen.

Dass die Frauenquote tatsächlich greift, ist nur natürlich. Alles andere wäre eine Missachtung des Gesetzgebers. Wie Justizminister Heiko Maas (SPD) deshalb gleich das „Ende der patriarchalen Systeme“ einzuläuten, ist ein wenig voreilig – ebenso wie der Jubel von Frauenministerin Manuela Schwesig (SPD). Denn nun kommt es darauf an, wie die Wirtschaft mit den zum Gesetz gehörenden flexiblen Quoten umgeht, die es den Unternehmen erlauben, eigene Ziele bei der Besetzung von Führungspositionen zu formulieren.

Tatsächlich sind langfristige Entwicklungen entscheidend, wenn die Unternehmenskultur irgendwann ein Abbild der gesellschaftlichen Gleichstellung von Frauen sein soll. Führungskräfte fallen nicht vom Himmel; Unternehmen müssen lange darauf hinarbeiten, wenn sie Posten ebenso oft mit Frauen wie mit Männern besetzen wollen. Denn wer eine Spitzenposition anstrebt, braucht Führungserfahrung, in der das Rückgrat gewachsen ist, die Durchsetzungskraft und Souveränität im Umgang mit Mitarbeitern. Man kann auch sagen: Spitzenkräfte müssen trainiert sein, um das zu leisten (und auszuhalten), was über die reine Kompetenz hinausgeht.

Leider bekommt in vielen Unternehmen nur ein Teil der Nachwuchskräfte die Gelegenheit zum Training: Immer noch sind es meist Männer, die von ihren ebenfalls männlichen Vorbildern von Posten zu Posten weitergereicht werden, sie einführen in abgeschottete Netzwerke. Wenn es dann um die Besetzung von Spitzenpositionen geht, heißt es schnell: Es gibt keine Frau, die bereit ist und in der Lage, den Job zu meistern. Dass fast die Hälfte der Unternehmen nun in ihren freiwilligen Zielen „mehr als null“ Frauen in Führungspositionen hieven will, zeugt nicht gerade von Aufbruchsstimmung. Und nur jede fünfte Firma plant eine Quote von mehr als 30 Prozent ein – das zeigt: Bis zum vom Justizminister beschworenen Ende der patriarchalischen Systeme ist es noch ein weiter Weg.

Mit einem paritätisch besetzten Aufsichtsrat sind im besten Fall die ersten Schritte gemacht. Er kann immerhin auf eine Unternehmenskultur hinwirken, in der Frauen gefördert werden – nicht mehr und nicht weniger.

Dass es dafür höchste Zeit ist, zeigt der Vergleich mit anderen Ländern. Deutschen Firmen in Männerhand drohen im internationalen Wettbewerb Nachteile. So müssen in Spanien Unternehmen, die sich an Ausschreibungen beteiligen, einen Frauenförderplan vorlegen, schließlich müssen dort die Aufsichtsräte seit 2015 zu 40 Prozent mit Frauen besetzt werden.

Der Blick ins europäische Ausland beweist auch, welche Signalwirkung von der Quote ausgehen kann, wie sehr sie für faire Karrierechancen sorgt, für die Überwindung der ungleichen Bezahlung und der besseren Vereinbarkeit von Familie und Beruf.

Der Druck der Politik auf die Unternehmen muss daher bestehen bleiben. Mit der Besetzung der Aufsichtsratsposten ist es noch lange nicht getan. Seite 4 Bericht

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