Politik

Freier Zugang für alle

Durch Open Access stehen die Ergebnisse wissenschaftlichen Arbeitens ohne weitere Kosten jedem zur Verfügung

Was bedeutet Open Access in der Wissenschaft? Open Access – oder auf Deutsch freier Zugang – in der Wissenschaft heißt, dass die Ergebnisse wissenschaftlichen Arbeitens ohne weitere Kosten Bürgern zur Verfügung stehen. Mit einem Internetzugang können sie das, was zum überwiegenden Teil aus ihren Steuergeldern finanziert an Universitäten erforscht und publiziert wurde, herunterladen und ansehen. Er soll verhindern, dass die in Zeitschriften publizierten Ergebnisse von anderen Forschenden über ihre Bibliotheken wieder teuer zurückgekauft werden müssen. Dieser Rückkauf, der zu Beginn der 90er-Jahre bei schrumpfenden Budgets der Universitäten immer mehr Kosten verursachte, ist für das wissenschaftliche Arbeiten in essenzieller Weise nötig. Denn neue Erkenntnisse bauen immer auf vorhandenem Wissen auf und sind zugleich Ideengeber für weitere Forschung.

In der sogenannten Berliner Erklärung von 2003 – von allen namhaften wissenschaftlichen Institutionen in Deutschland unterzeichnet – wurde der freie Zugang zur wissenschaftlichen Literatur auf das kulturelle Erbe erweitert. Damit sind die Bestände von Museen, Bibliotheken und Archiven gemeint, die aus räumlichen Gründen einen großen Teil ihrer wertvollen Gegenstände nicht dauerhaft ausstellen oder zur Verfügung stellen können. Mit einem Senatsbeschluss hat das Land Berlin im Oktober 2015 mit Unterstützung der Berlin-Brandenburgischen Akademie der Wissenschaften eine verstärkte Umsetzung der Open-Access-Strategie für die wissenschaftlichen Einrichtungen beschlossen und damit die praktischen Voraussetzungen für den Zugang zu Wissenschaft für alle auf den Weg gebracht. Konkret sollen bis 2020 mindestens 60 Prozent der von Berliner Wissenschaftseinrichtungen publizierten wissenschaftlichen Literatur mit freiem Zugang verfügbar sein. Ähnliches gilt für die Träger der Kulturgüter, die ermutigt und unterstützt werden, ihre wertvollen Schätze digital zur Verfügung zu stellen.

Am Beispiel der Architektur, genauer des Architekturmuseums der TU Berlin, zeigen sich die großen Möglichkeiten des Open Access. Mehr als die Hälfte der dort über 130.000 lagernden Zeichnungen sind mit hoher Auflösung digitalisiert worden – ursprünglich um die älteren, vom Verfall bedrohten Werke für die Nachwelt zu erhalten. Der freie Zugang zu den Werken, die nicht mehr vom Urheberrecht geschützt sind, erlaubt jetzt jeder Person das Herunterladen und Bearbeiten dieser Werke, die nur noch mit der Lupe vom Original zu unterscheiden sind.

So entstand aus einem studentischen Projektseminar die Ausstellung „Museumsvisionen“, die den vom preußischen Kulturministerium ausgeschriebenen Wettbewerb zur Erweiterung der Museumsinsel 1883/1884 rekonstruierte. Die Projektergebnisse zu den spannenden Varianten der möglichen architektonischen Gestaltung der Museumsinsel wurden im Herbst 2015 in der Bauakademie in Berlin-Mitte gezeigt. Die ausgestellten Pläne waren hochwertige Digitalausdrucke aus dem Architekturmuseum, sie standen unproblematisch allen Studierenden für die Seminararbeit zur Verfügung. Und: Nicht nur die Studierenden, sondern alle Interessierten können sie herunterladen und sich mit ihnen zu Hause beschäftigen. Welch Unterschied zu früher, als nur privilegierte Personen überhaupt Zugang zu den Werken hatten, geschweige denn sie anfassen und in Arbeitsgruppen bearbeiten konnten.

Mit den neuen 3-D-Drucktechnologien, die inzwischen ebenfalls für den Privatgebrauch zur Verfügung stehen, sind nun auch dreidimensionale Kulturobjekte zugänglich geworden. Die Bereicherung für Forschung und Lehre in Verbindung mit freiem Zugang für alle ist unermesslich und bildet die Grundlage für einen wirklichen Fortschritt in der Wissenschaft. Gleichzeitig dient Open Access so der breiten Bildung in Schule und Gesellschaft.