Berlin

Cameron-Nachfolge: Konkurrenz für die „Eisjungfrau“

Energie-Staatssekretärin Andrea Leadsom tritt gegen Innenministerin Theresa May an

Berlin. So wie es aussieht, wird Großbritannien demnächst wieder von einer Frau geführt – das erste Mal seit dem Rücktritt Margret Thatchers im November 1990. Zwar treten fünf Spitzenpolitiker an, um an die Spitze der regierenden konservativen Partei gewählt zu werden und damit praktisch automatisch Anrecht auf das Amt des Premierministers zu haben, doch nur zwei haben nennenswerte Chancen: Theresa May und Andrea Leadsom. Von den drei Männern wird in den Vorwahlen der Partei allenfalls noch Michael Gove, bisher Justizminister, eine Rolle spielen. Kommende Woche jedenfalls sollen aus den fünf Kandidaten um David Camerons Nachfolge nur mehr zwei geworden sein, die bis zum Parteitag im September um Stimmen werben können.

Buchmachern zufolge hat May, derzeit Innenministerin, die größten Chancen. Die 59-Jährige hat allerdings auch schon mehr als 100 konservative Parlamentsabgeordnete als Unterstützer gewonnen. Sie wird bereits länger als Kandidat für den Parteivorsitz gehandelt. May scheut sich nicht, Probleme zu benennen und anzupacken, etwa Korruption in der Polizei. Der ehemalige Vizepremier Nick Clegg von den Liberaldemokraten nannte sie „Eisjungfrau“, offenbar weil sie eher unnahbar und kalt vorgeht. Der Begriff „Iron Lady“ ist ja schon für Thatcher vergeben.

May unterstützte die EU-Befürworter, sagt aber jetzt, es sei nicht die Frage, was sie vor zehn Tagen getan habe, sondern was sie jetzt tun könne. Sie will jetzt nichts überstürzen und den EU-Austritt ihres Landes erst nach reiflicher Überlegung beantragen. Auch Neuwahlen will sie nicht: Das wäre in der jetzigen Lage destabilisierend, zudem habe man 2015 erst gewählt.

Andrea Leadsom, Staatssekretärin im Energieministerium, sieht sich als eine Art Wiedergeburt von Thatcher: Diese sei als Person freundlich und zuvorkommend gewesen, als Chefin aber stahlhart und zielstrebig – „und mir gefällt es zu denken: Da stehe ich auch.“ Die 53-Jährige gehört dem Austrittslager an und kündigte bereits an, das Vereinigte Königreich bis Frühling 2017 aus der EU führen zu wollen. Die Briten sollten keine Angst davor haben. Mit anderen Themen irritierte sie: So hält sie die umstrittene Gasgewinnung mittels Fracking für sicher und glaubt nur sehr bedingt an den Klimawandel. Bisher unterstützen sie mehr als 20 Parlamentarier.

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